Die Qual der Wahl

Streit vermeiden, Einigkeit erzielen, geschlossen in den Wahlkampf ziehen - das sind die Wunschvorstellungen der Landes-CDU bei der Kür des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im März 2011.

Mainz. Manchmal stellen sich Terminfestlegungen im Nachhinein als unglücklich heraus. Das traditionelle Martinsgans-essen der CDU-Landtagsfraktion ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn sich Abgeordnete und Pressevertreter am 17. November in einer Mainzer Weinstube zum Gedankenaustausch treffen, würde die Union gerne über politische Inhalte sprechen - stattdessen wird ein anderes Thema die Diskussionen beherrschen: Wer wird CDU-Spitzenkandidat und tritt 2011 gegen Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) an, Christian Baldauf oder Julia Klöckner? Der Fahrplan für die Kandidatenkür wird nur einen Tag nach dem Gans-Schmausen im Landesvorstand festgezurrt.

Fahrplan wird gehütet wie ein Staatsgeheimnis

Gilt als dynamisch: Christian Baldauf (42).TV-Foto: Friedemann Vetter.



Baldaufs Vorschlag für diesen Fahrplan wird derzeit gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Denn es gibt viele Optionen, wie die Parteibasis sowie die Kreis- und Bezirksvorsitzenden eingebunden werden könnten. Regionalkonferenzen sind ebenso vorstellbar wie ein Nominierungs-Parteitag.

Als potenzielle Beck-Herausforderer werden Baldauf und Klöckner schon lange gehandelt. Auch die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse zählte man zum Kandidatenkreis, sie ist aber ebenso aus dem Rennen wie Friedrich Merz, ehemaliger CDU-Fraktionschef im Bundestag. Letzteren hätten sich einige in der Partei gut vorstellen können, er soll jedoch abgewunken haben.

Fragt man wichtige CDU-Vertreter der Region, ob sie eher zu Baldauf oder zu Klöckner tendieren, ergibt sich kein einheitliches Bild. "Ich käme mit beiden klar. Julia Klöckner kenne ich aber nicht so gut", sagt der Trierer Landtagsabgeordnete Berti Adams. Vom Eifeler Bezirksvorsitzenden Michael Billen weiß man, dass er kein Baldauf-Freund ist. Er will aber "keiner Lösung im Wege stehen". Der Brauneberger Alexander Licht arbeitet in der Fraktionsspitze in Mainz ebenso eng mit Baldauf zusammen, wie es der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz als stellvertretender Landesvorsitzender im Landesvorstand tut. Der Trierer Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster sagt sibyllinisch, Baldauf sei "ein guter Landesvorsitzender".

Bei der Kandidatenkür wird auf jeden Fall die 13-köpfige Landesgruppe der CDU-Bundestagsabgeordneten eine gewichtige Rolle spielen. Sie kommt einmal wöchentlich in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung in Berlin zusammen und will das Thema in einer ihrer nächsten Sitzungen diskutieren. Ihr einflussreicher Vorsitzender, Joachim Hörster (64) aus Montabaur, gilt nicht als Fan von Christian Baldauf.

Die beiden Anwärter präsentieren sich unterschiedlich. Sofern sie überhaupt antreten will, operiert Klöckner eher hinter den Kulissen. Man darf gespannt sein, ob und wie sie ihr neues Amt als Parlamentarische Staatssekretärin in Berlin nutzen wird. Baldauf versucht einerseits, sich als CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss zur Nürburgring-Affäre zu profilieren. Andererseits pflegt er den Kontakt zu einstigen Landes-Chefs.