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Die Säulen der LKW-Maut

Sie sehen aus wie Blitzer, doch die blauen Säulen, die an den Bundesstraßen installiert werden, blitzen nicht. Mit ihnen wird kontrolliert, ob für einen vorbeifahrenden LKW die demnächst auf allen Bundesstraßen fällige Maut bezahlt worden ist. Foto: Toll Collect
Sie sehen aus wie Blitzer, doch die blauen Säulen, die an den Bundesstraßen installiert werden, blitzen nicht. Mit ihnen wird kontrolliert, ob für einen vorbeifahrenden LKW die demnächst auf allen Bundesstraßen fällige Maut bezahlt worden ist. Foto: Toll Collect FOTO: ARRAY(0x9c6d7a8)
Trier. Demnächst werden an Bundesstraßen Geräte installiert, die aussehen wie Blitzer. Bernd Wientjes

Trier Die Ausweitung der LKW-Maut auf alle Bundesstraßen schafft neue Arbeitsplätze. Das Bundesamt für Güterverkehr hat im Laufe des Jahres auch für Rheinland-Pfalz zusätzliche Mautkontrolleure gesucht. Deren Aufgabe ist es laut Tätigkeitsprofil unter anderem, LKW-Kontrollen durchzuführen. Gesucht wurden etwa KFZ-Meister oder Fahrlehrer. Mautkontrolleur dürfte ein Beruf mit Zukunft sein.
Denn zusätzlich zu der bisherigen Mautpflicht auf den rund 13 000 Kilometern Bundesautobahnen und rund 2300 Kilometern autobahnähnlichen Bundesstraßen müssen LKW ab Juli nächsten Jahres auch für die Nutzung aller Bundesstraßen zahlen. Und das muss schließlich kontrolliert werden.
Allerdings nicht nur durch Kontrolleure, sondern auch durch Geräte. 600 Mautkontroll-Säulen sollen an den Bundesstraßen installiert werden. Bisher wird auf den bislang bereits mautpflichtigen Abschnitten der Bundesstraßen mit mobilen Geräten kontrolliert, ob für die vorbeifahrenden LKW die Gebühr bezahlt worden ist. "Im Gegensatz zu den Kontrollbrücken auf Autobahnen erfordern die Säulen wesentlich weniger Platz und ordnen sich damit besser in die Landschaft ein", heißt es bei Toll Collect. Das Unternehmen kassiert im Auftrag des Bundes die LKW-Maut. Die Säulen seien farblich so gestaltet, dass eine Verwechslung mit Geschwindigkeitskontrollen ausgeschlossen sei. Laut Toll-Collect-Sprecherin Claudia Steen wurden Abschnitte ausgewählt, "die von vielen mautpflichtigen LKW befahren werden". Bei der Auswahl spielten folgende Kriterien eine Rolle: Die Installation der Säulen müsse auf öffentlichem Grund und Boden erfolgen, es müsse eine uneingeschränkte Sicht 70 Meter gegen und 40 Meter in Fahrtrichtung gewährleistet sein, es müsse Mobilfunk vorhanden sein und kurze Wege für einen Stromanschluss geben. Die einzelnen Gemeinden würden informiert, sobald die Zustimmung der verantwortlichen Behörden vorliege und absehbar sei, dass der Tiefbau startet.
Zuständig für die Kontrollen ist das Bundesamt für Güterverkehr. Laut Toll Collect werden an die Behörde nur Daten von Fahrzeugen weitergeleitet, bei denen der Verdacht besteht, dass die Maut nicht oder nicht richtig bezahlt wurde. "Alle anderen Daten werden noch in der Säule vor Ort gelöscht."
Während Speditionen und andere Unternehmen gegen die Ausweitung der LKW-Maut sind, fordern die Kommunen seit längerem die Gebührenpflicht für alle Straßen. Die kommunalen Spitzenverbände befürchten, dass sich der LKW-Verkehr nun von den Bundes- auf die Landes- und Kreisstraßen verlagern könnte, um so die Mautpflicht zu umgehen. Bereits jetzt klagen auch einige Kommunen in der Region darüber, dass viele LKW-Fahrer Bundesstraßen wie die B 419 durch Nittel (Trier-Saarburg) als Maut-Ausweichstrecke benutzten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund ist auch dafür, dass für stark befahrene Teilstücke von Bundesstraßen etwa zu Zeiten des Berufsverkehrs eine höhere Maut fällig wird, um die Verkehrsströme zu entzerren. Auch Fernbusse sollten zur Kasse gebeten werden. Bislang sind Busse von der Mautpflicht ausgenommen. Die Mautpflicht gilt für alle LKW, die schwerer als 7,5 Tonnen sind. Von der Gebührenpflicht befreit sind neben Bussen auch Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Militärfahrzeuge und Fahrzeuge des Bundes. Auch für LKW der Straßenmeistereien und der Winterdienste ist keine Maut fällig, ebenso für Schausteller- und Zirkuswagen. Die Höhe der Mautgebühr pro Kilometer richtet sich nach der Anzahl der Achsen des Fahrzeugs und nach der Umweltfreundlichkeit des jeweiligen LKW.