Die soziale Reserve-Armee

Mitbürger mittleren und höheren Alters werden sich noch der Zeiten erinnern, da man Zivildienstleistende als Drückeberger beschimpfte, ihnen absurde Gewissensprüfungen auferlegte, sie als "Ersatzdienstler" abstempelte und sie mit künstlich verlängerten Dienstzeiten traktierte.

Keine 30 Jahre später herrscht angesichts des absehbaren Endes dieser Dienstpflicht Heulen und Zähneknirschen im Lande. Längst sind die Zivis zur hoch angesehenen sozialen Reserve-Armee geworden in Zeiten, da für das Soziale die öffentlichen Mittel immer knapper werden.

Aber, auch wenn's schwerfällt, Abschied zu nehmen: Der Zivildienst ist nun mal der Gegenpol zum allgemeinen Wehrdienst, und da dieser längst auf der politischen Reste-Rampe gelandet ist, sollte man sich keine allzu großen Hoffnungen auf den Erhalt eines schlagkräftigen Sozial-Instrumentariums machen.

Aber was stattdessen? Ohne bürgerschaftliches Engagement werden viele zwingend notwendige soziale Dienste in unserer Gesellschaft nicht mehr leistbar sein. Aber das ins Gespräch gebrachte "soziale Pflichtjahr" wäre eine Zwangsmaßnahme, verfassungsrechtlich bedenklich und nicht in die Landschaft passend.

Anders wäre es, wenn es gelänge, ein freiwilliges soziales Jahr breit gesellschaftlich zu verankern. Als Beweis persönlichen Engagements, das sich positiv auf spätere Bewerbungen auswirkt. Das vom Staat so unterstützt und gefördert wird, dass denen, die es leisten, keine Nachteile entstehen. Ein Lebens-Praktikum für junge Leute zugunsten der Allgemeinheit, aber auch zum ganz persönlichen Nutzen des Praktikanten.

Naiv? Utopisch? Mag sein. Aber nicht annähernd so weltfern wie die Realitätsverweigerung der aktuellen Politik. d.lintz@volksfreund.de



Meinung

Die soziale Reserve-Armee

Mitbürger mittleren und höheren Alters werden sich noch der Zeiten erinnern, da man Zivildienstleistende als Drückeberger beschimpfte, ihnen absurde Gewissensprüfungen auferlegte, sie als "Ersatzdienstler" abstempelte und sie mit künstlich verlängerten Dienstzeiten traktierte. Keine 30 Jahre später herrscht angesichts des absehbaren Endes dieser Dienstpflicht Heulen und Zähneknirschen im Lande. Längst sind die Zivis zur hoch angesehenen sozialen Reserve-Armee geworden in Zeiten, da für das Soziale die öffentlichen Mittel immer knapper werden. Aber, auch wenn's schwerfällt, Abschied zu nehmen: Der Zivildienst ist nun mal der Gegenpol zum allgemeinen Wehrdienst, und da dieser längst auf der politischen Reste-Rampe gelandet ist, sollte man sich keine allzu großen Hoffnungen auf den Erhalt eines schlagkräftigen Sozial-Instrumentariums machen. Aber was stattdessen? Ohne bürgerschaftliches Engagement werden viele zwingend notwendige soziale Dienste in unserer Gesellschaft nicht mehr leistbar sein. Aber das ins Gespräch gebrachte "soziale Pflichtjahr" wäre eine Zwangsmaßnahme, verfassungsrechtlich bedenklich und nicht in die Landschaft passend. Anders wäre es, wenn es gelänge, ein freiwilliges soziales Jahr breit gesellschaftlich zu verankern. Als Beweis persönlichen Engagements, das sich positiv auf spätere Bewerbungen auswirkt. Das vom Staat so unterstützt und gefördert wird, dass denen, die es leisten, keine Nachteile entstehen. Ein Lebens-Praktikum für junge Leute zugunsten der Allgemeinheit, aber auch zum ganz persönlichen Nutzen des Praktikanten. Naiv? Utopisch? Mag sein. Aber nicht annähernd so weltfern wie die Realitätsverweigerung der aktuellen Politik. d.lintz@volksfreund.de