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Die Übermacht der Iren gibt es nicht mehr

Die Übermacht der Iren gibt es nicht mehr

Acht Millionen Euro wurden durch ein Sanierungsprogramm in den vergangenen drei Jahren am Flughafen Hahn eingespart. Ohne diese Einsparung hätte der Hahn keine Zukunft mehr gehabt, sagte der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, Salvatore Barbaro, nun.

Lautzenhausen. Werner Heich hat Angst. Angst um den Flughafen Hahn, den er mit seinem Verein Bürger für den Hahn so rührig unterstützt. Heich spricht diese Angst bei der Jahreshauptversammlung, zu der am Freitagabend knapp 100 der über 600 Mitglieder des Vereins in die Landespolizeischule auf den Hahn gekommen sind, offen an. Es bestehe die Befürchtung, dass die irische Fluggesellschaft Ryanair vom Hahn weggehe, weil sie zunehmend auch andere Flughäfen anfliege. Und der Verein habe Angst, wie es mit dem Hahn weitergehe, wenn er verkauft worden ist.
So ganz können Flughafenchef Markus Bunk und Aufsichtsratsvorsitzender und Finanzstaatssekretär Salvatore Barbaro unmittelbar nach der Aufsichtsratssitzung an diesem Tag den Vereinsmitgliedern die Angst nicht nehmen. Zumal Bunk verkündet, was seit Wochen immer mal wieder im Gespräch gewesen ist: Ryanair fliege wohl ab dem Winterflugplan ab Luxemburg. Das würde den Hahn erneut Passagiere kosten. Dem Hunsrückflughafen macht bereits zu schaffen, dass die Iren ihr Angebot in Köln-Bonn zunehmend ausbauen und gleichzeitig die Strecken auf dem Hahn reduzieren.
Erste Erfolge?


Das macht sich am Marktanteil von Ryanair im Hunsrück bemerkbar. Der liege noch bei 81,9 Prozent sagt Bunk. Deutlich zugelegt habe die ungarische Fluggesellschaft Wizzair, die genau wie Ryanair im vergangenen Jahr 100 000 Passagiere habe hinzugewinnen können. Bunk sieht in dem rückläufigen Marktanteil von Ryanair aber auch etwas Gutes. Die Übermacht der Fluggesellschaft gebe es nicht mehr. Das mache es einfacher, andere Fluggesellschaften zu gewinnen. Bunk spricht von ersten Erfolgen, ohne jedoch konkret zu werden. Er setzt offenbar drauf, dass die Fluggesellschaft Sun Express, eine Tochter der Turkish Airlines und der Lufthansa, die in diesem Sommer zwei Monate lang wieder einmal pro Woche je einen Flug nach Izmir an der türkischen Ägäis anbietet, im kommenden Jahr zusätzlich auch in die türkische Touristenhochburg Antalya fliegen wird. Ohnehin scheint Bunk im Ausbau der Touristik-Flüge die Möglichkeit zu sehen, wie die Passagierzahl trotz eines stückweisen Rückzugs von Ryanair zumindest gehalten werden kann. Bunk nennt mögliche Zubringer-Flüge zu Kreuzfahrten mit der Aida und Pauschal-reisen mit dem Reiseveranstalter Alltours gemeinsam mit Ryanair.
Im vergangenen Jahr sei zwar "nicht alles schön gewesen", aber die Grundlage, damit sich der Flughafen weiterentwickle, sei gelegt, sagt Bunk. Er spricht damit vor allem das seit drei Jahren laufende Sanierungskonzept an. "Das macht nicht immer Spaß", gibt er unumwunden zu. Zumal die Zahl der Mitarbeiter der Flughafengesellschaft in dieser Zeit um 60 auf nun aktuell 312 reduziert worden sei, auch dadurch dass einige von ihnen in den Landesbetrieb Mobilität (LBM) gewechselt seien. Der LBM hat von der Flughafengesellschaft die gesamte Infrastruktur und alle Immobilien, die nicht unmittelbar zum Flughafen gehören, übernommen und damit die Bilanz des Hahn entlastet.
Acht Millionen Euro seien durch das Sanierungsprogramm eingespart worden, sagt Aufsichtsratschef Barbaro. Ohne diese Einsparung wäre das Defizit des Flughafens noch höher als ohnehin schon. "Das", so Barbaro bei der Versammlung des Vereins Bürger für den Hahn, "wäre das Ende des Hahn gewesen." Wie hoch das Defizit im vergangenen Jahr gewesen ist, sagt er aber nicht. Im vergangenen Jahr hat er im Landtag verkündet, dass es sich vermutlich um die 16 Millionen Euro bewegen wird.
Barbaro macht aber auch deutlich, dass der Hahn ohne dieses Sanierungsprogramm hätte, nicht verkauft werden können. Noch ist der Flughafen allerdings nicht verkauft.
Viel Neues verkündet der Staatssekretär dazu an diesem Abend allerdings nicht, wiederholt nur, was seit Wochen bekannt ist, dass es nämlich drei Kaufinteressenten gibt. Namen nennt er allerdings nicht. Bunk verrät aber,dass sich darunter nicht der amerikanische Logistik-Konzern Amazon befindet. Angeblich soll es in den vergangenen Wochen Gespräche mit Amazon gegeben haben.
Zwar zeigen sich Bunk und Barbaro zuversichtlich, was die Zukunft des Hahn nach einem Verkauf angeht. Doch macht Aufsichtsratsvorsitzender Barbaro an diesem Abend aber auch klar: "Ohne zusätzliche Verkehre bei Passagieren und Fracht geht es nicht."Extra

Der Luxemburger Flughafen hat im ersten Quartal dieses Jahres ein hohes Plus an Fluggästen verzeichnet. Von Januar bis März wurden mit fast 580 000 Passagieren gut 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum gezählt, teilte die Betreibergesellschaft Lux-Airport mit. Dies sei "eine Wachstumsrate, wie sie der Flughafen in seiner jüngsten Geschichte noch nicht erlebt" habe. Das stärkste Wachstum gehe auf das Konto der Lufthansa, die mittlerweile acht Mal täglich in Luxemburg nach Frankfurt und nach München abhebe. Vom Flughafen Luxemburg werden 70 Ziele angeflogen, 229 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. 2015 wurden rund 2,7 Millionen Passagiere gezählt. dpaExtra

Am Flughafen Hahn laufen laut Flughafengesellschaft derzeit die Bauarbeiten für ein neues Vorfeld. Mit dem Großprojekt, bei dem ein 17 000 Quadratmeter großes Areal planiert werde, schaffte der Flughafen die Verbindung von der 3800 Meter langen Landebahn zu einem weiteren Neubau - dem Hangar der Flugzeugwartungsfirma Haitec Aircraft Maintenance GmbH, der noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen soll. "Für den Bau des neuen Vorfelds werden wir rund 80 000 Tonnen Erde bewegen", berichtet Michael Rössel, zuständig für Infrastruktur am Hahn. Insgesamt investiere der Flughafen rund 4,4 Millionen Euro in den Neubau des Hangar-Vorfeldes. red