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Die verbreitete Angst vor den Neuen

Die verbreitete Angst vor den Neuen

Trotz eines allgemeinen Rückgangs rechtsextremer Einstellungen in der Bevölkerung sind Ressentiments gegen bestimmte Gruppen wie Asylbewerber oder Langzeitarbeitslose weit verbreitet. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hervor.

Berlin. Hooligans gegen Salafisten, der Krieg in Gaza, der Streit um Flüchtlinge in Deutschland: Man könnte meinen, dass in diesem Jahr extremistische und menschenfeindliche Haltungen rasant angestiegen sind. Doch dem ist nicht so. "Alles wird besser", meinte Studienleiter Andreas Zick bei der Vorstellung der Untersuchung "Fragile Mitte - Feindselige Zustände" der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Rechtsextreme Einstellungen sind 2014 insgesamt zurückgegangen. Doch täuschen lassen sollte man sich nicht, auf die Details kommt es an, Toleranz und Offenheit schlägt nicht jedem Ausländer entgegen. Vor allem nicht von AfD-Anhängern.
Trends: Die Zahl derer, die ausländerfeindlichen Parolen zustimmen, ist im Langzeitvergleich seit 2002 von 26,9 auf 7,5 Prozent gesunken. Auch äußerten sich bei der Telefonumfrage unter 2000 Bürgern, die bis September durchgeführt wurde, deutlich weniger Menschen antisemitisch. 3,2 Prozent in diesem Jahr gegenüber 9,3 Prozent 2002. Doch Entwarnung geben die Experten nicht: Nach wie vor seien extreme Haltungen in der Mitte der Gesellschaft verankert. Immerhin befanden zehn Prozent, dass der Nationalsozialismus auch seine guten Seiten gehabt habe. Die rechtsextremen Einstellungen sind im Osten weiterhin höher als im Westen.
Feindbilder: Generell gibt es in der Bevölkerung eine "negative Meinung gegenüber Menschen, die neu hinzugekommen sind", so Zick. Vielfach werde daher versucht, die "etablierten Vorrechte zu erhalten". Die Konsequenz: 44 Prozent der Befragten äußerten sich abwertend gegenüber Asylbewerbern, 27 Prozent gegen Sinti und Roma sowie 18 Prozent gegen Muslime. Allerdings haderten auch 47,8 Prozent mit den Langzeitarbeitslosen.
Rechtsextremismus: Fast 87 Prozent sehen in ihm eine Bedrohung. Zugleich waren 52 Prozent der Befragten der Meinung, dass Rechtsextremismus in den Medien hoch gekocht werde. Jeder zweite Befragte meinte, es wäre am besten, die Rechten gar nicht zu beachten. Davor warnten die Forscher: Denn so öffne sich das Tor für Populismus. Außerdem hätten die politische Bildung und der Kampf von Projekten gegen Rechts in den letzten Jahren eindeutig gewirkt.
AfD: Die Europakritik der Partei ist das eine. Laut Untersuchung zeigten sich in der AfD-Anhängerschaft jedoch auch die zweithöchsten Zustimmungswerte zu Ausländerfeindlichkeit (15,9 Prozent), Chauvinismus (41,2 Prozent) und Verharmlosung des Nationalsozialismus (14,3 Prozent). Höher fielen die Werte nur bei den Anhängern der NPD aus. Auch die Ablehnung von Homosexuellen sei bei der AfD überdurchschnittlich hoch. Genauso wie sexistische Einstellungen.
Ausblick: Laut Studie versucht der rechte Rand derzeit, wieder in die Mitte einzudringen. Das zeigten die Hooligan-Demos. Auch gebe es eine wachsende Radikalisierung von Meinungen und eine zunehmende Gewaltbereitschaft. Ein hohes Potenzial an Menschen zweifle sogar, ob Demokratie tatsächlich das richtige Modell sei.