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"Die Weltgemeinschaft hat versagt": US-Expertin aus Kaiserslautern äußert sich zum Syrien-Krieg

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Kaiserslautern. USA-Expertin Sarah Wagner sieht im Luftangriff ein Beispiel für Trumps unberechenbaren Regierungsstil. Im Nahen Osten droht Eskalation. Bernd Wientjes

Sarah Wagner hat Politikwissenschaft in Trier studiert. Sie arbeitet an der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern. Zu ihren Schwerpunkten zählen unter anderem die Außenpolitik der USA.

Hat Sie überrascht, dass Trump so schnell den Befehl zum Angriff auf die syrische Luftwaffenbasis gibt?
SARAH WAGNER Nur bedingt. Der Regierungsstil von Trump ist seit seinem Amtsantritt von wenig Voraussicht, vielen Kehrtwenden und überraschenden Elementen geprägt, seine Position ist in vielerlei Hinsicht wenig berechenbar. Auch ist die Anordnung eines Militärschlags natürlich schneller vollzogen als eine langwierige Abstimmung mit dem Kongress. Zudem hat Trump auch im Wahlkampf immer betont, er wolle die Gegner der USA mit militärischen Optionen überraschen und diese nicht vorher intensiv öffentlich diskutieren, so wie es Obama getan hat.

Was steckt Ihrer Ansicht nach hinter dem Luftangriff? Will Trump damit von innenpolitischen Problemen ablenken oder geht es ihm tatsächlich darum, den mutmaßlichen Giftgasangriff zu rächen?
SARAH WAGNER Beides ist möglich und vermutlich zutreffend. Die Bilder aus Syrien haben Trump bestimmt beeinflusst, das erkennt man an seinen Äußerungen, aber natürlich hat Trump aktuell auch große innenpolitische Probleme. Die Intervention in Syrien stößt im amerikanischen Politik-Establishment, auch bei großen Teilen der Demokraten, aktuell auf ein positives Echo.

Und wie stehen die eigenen Reihen zu dem Angriff?
SARAH WAGNER Interessanterweise stehen die eigentlichen Unterstützer und Wähler von Trump, die ihn auf Basis seiner Wahlversprechen gewählt haben und sich einen Rückzug der USA aus genau solchen Konflikten wünschen, dem Angriff ablehnend gegenüber. Für diese Wähler bedeutet America First nämlich genau das Gegenteil, weniger militärische Interventionen im Ausland - so wie es Trump im Wahlkampf auch versprochen hatte.

Was bedeutet der Angriff für die Lage im Nahen Osten?
SARAH WAGNER Es hängt davon ab, ob die USA es bei einem Angriff belassen oder ihre Intervention ausweiten werden und wie das Assad-Regime reagieren wird. Hier wird deutlich, dass auf den Aktionismus auch eine breite und international unterstütze Strategie folgen muss, ansonsten könnte eine Eskalation drohen.

Wie steht es nun um die amerikanisch-russischen Beziehungen?
SARAH WAGNER Die werden definitiv nicht verbessert, da Russland andere Interessen in Syrien verfolgt und kein Interesse an einer Destabilisierung von Assad hat. Die Koalition gegen ISIS und die amerikanisch-russische Zusammenarbeit in Syrien könnten hier die Konsequenzen zu spüren bekommen. Als erste Reaktion hat sich Russland auch aus einem Abkommen zur Flugsicherheit über Syrien zurückgezogen.

Wie beurteilen Sie die Untätigkeit der UN nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien? Hat die Weltgemeinschaft versagt?
SARAH WAGNER Aufgrund der Konstellation des Sicherheitsrats in der UN überrascht die dort herrschende politische Lähmung nicht. Die Untätigkeit der Weltgemeinschaft hinsichtlich Syriens ist generell ein Versagen, auch außerhalb der UN-Strukturen.