Die Winzer hoffen auf trockenes Wetter

Die Winzer hoffen auf trockenes Wetter

Ein Schädling und verkümmerte Beeren bereiten den Winzern an Mosel, Saar und Ruwer Sorgen. Beides sind Folgen des zu nassen Frühsommers. Für die Lese im September werden bis zu 15 Prozent geringere Erntemengen erwartet als im Vorjahr. Einige Winzer beklagen sogar Totalausfälle.

Trier/Eifel/Mosel. Nicht nur in den Getreideähren, auch an den Rebstöcken der Region sorgt in diesem Jahr ein Pilz für Ärger. Der falsche Mehltau, auch Peronospora genannt, hat sich in den verregneten Frühsommermonaten im Wingert stark verbreitet (siehe Extra) - und zahlreiche Beeren vertrocknen lassen. Peter Geiben vom Weingut Karlsmühle in Mertesdorf (Verbandsgemeinde Ruwer) rechnet deshalb auf vier von 14 Hektar Rebfläche mit 40 Prozent weniger Ertrag. "Bei einzelnen Weinbergen gibt es sogar einen Totalausfall." Der Pilzbefall sei auf den Flächen massiv, wo der Hubschrauber gespritzt habe, sagt Geiben. Dieser habe wegen Regens und Gewittern im Juni die Spritzabstände für den Pflanzenschutz nicht einhalten können. Und der Pilz könne "nur vorbeugend" bekämpft werden.
Verluste von bis zu 15 Prozent erwartet auch das Weingut Peter Lauer in Ayl an der Saar. "Unsere Trauben waren in der Wachstumsphase direkt befallen, zum Teil mehrfach", berichtet Florian Lauer. Eine Verbreitung der Peronospora wie in diesem Jahr habe er "so noch nicht erlebt", sagt auch Christian Steinmetz vom Weingut Reichsgraf von Kesselstatt, das an Mosel, Saar und Ruwer 48 Hektar Riesling anbaut. Alle Betriebe hätten Probleme, sagt Steinmetz. Folgen für die eigene Ernte könne er aber noch nicht beziffern.
"Die Ernte 2012 in unserer Region wird unter dem Durchschnitt liegen", prognostiziert Hans Schlemmer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel. Neben dem falschen Mehltau gebe es ein weiteres Problem: Verrieselungen. Das bedeutet, dass viele Rebblüten wegen der Feuchtigkeit nicht zur Beere gereift sind. Dadurch gibt es keine kompakten Trauben, sondern locker hängende Beeren, die aus der Traube rieseln. "Es wird nicht dramatisch, aber sicher weniger als im Vorjahr", schätzt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbands Mosel, die Folgen für die Erntemenge. Genaue Prognosen seien schwierig - 15 Prozent weniger Ertrag sei realistisch.
Die 990 000 Hektoliter des Vorjahrs sind nicht erreichbar: Das glaubt auch Ansgar Schmitz vom Verein Moselwein. Er geht von etwa 850 000 Hektolitern aus - etwa dem Niveau von 2009.
Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz spricht insgesamt landesweit von "recht guten" Ernteaussichten. Sie rechnet mit einer Ertragsmenge, die dem fünfjährigen Mittel entspricht, das bei gut sechs Millionen Hektolitern liegt. Auch wenn die Erträge bei Winzern in der Region zum Teil darunter bleiben sollten: Weniger Früchte bedeuteten nicht weniger Qualität, sagt Ansgar Schmitz. Entscheidend sei, dass es jetzt bis zur Lese im September trocken bleibe - damit sich die Schädlinge nicht erneut verbreiteten. "Wird es noch mal feucht, gibt es neue Infektionen", fürchtet Winzer Lauer. Die Fäulnis könne dann schlimme Konsequenzen für den Wein haben. cweb
Extra

Der falsche Mehltau ist eine in der Landwirtschaft sowie im Wein- und Gartenbau gefürchtete Pflanzenkrankheit. Die Sporen des Pilzes dringen ins Blattgewebe ein und entziehen den Pflanzen Nährstoffe. Die Blätter vergilben, typisch ist ein Mosaikmuster aus grünen, gelben und braunen Stellen. Bei Rebpflanzen werden häufig auch die Trauben befallen, die dadurch austrocknen. Der Pilz verbreitet sich besonders gut unter feuchtwarmen Witterungsbedingungen. Zur Bekämpfung werden Fungizide eingesetzt. cweb