Die Zeche kommt

Der Arbeitsmarkt im Lande hat sich dramatisch gewandelt. Die Arbeitsprozesse sind verdichtet worden, die Belastung hat sich erhöht, die Anforderungen sind gestiegen. Vor allem aber sind alle Nischen weggefallen: Die Büroboten und die Kartoffelschäler, die Karton-Stapler und die Kopierpapier-Nachleger, kurzum: all jene Jobs, die durchaus einen Sinn hatten, die aber einsparbar waren.

Leider waren das in der Regel auch jene Tätigkeiten, die von Leuten gemacht werden konnten, die höheren Belastungen nicht gewachsen waren. Was den Markt nicht kümmert, was die Gesellschaft aber interessieren muss, ist der Umstand, dass mit den Jobs keineswegs auch die Menschen weggefallen sind. Sie sind da, und es wäre unverantwortlich, sie dauerhaft dem Dahindämmern in der Passivität der Arbeitslosen- oder Sozialhilfe zu überlassen. Wenn sich die Arbeitsämter künftig verstärkt darum kümmern wollen, diejenigen zügig in den Arbeitsmarkt zurückzubringen, die eine reelle Vermittlungs-Chance haben und lediglich eine "Aufpolierung" brauchen, ist sinnvoll und folgerichtig. Sie werden damit genug zu tun haben. Es wird aber den Millionen nicht helfen, für die der normale Arbeitsmarkt keine Perspektive mehr bietet. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie das, was dort verlangt wird, nicht bieten können. Für sie muss ein von der Allgemeinheit finanzierter, gestützter zweiter Arbeitsmarkt geschaffen werden. Das große Geld wird dort nicht zu verdienen sein. Zumindest ist aber eine menschenwürdige, halbwegs sinnvolle Beschäftigung zu haben. Und im öffentlichen Raum gibt es hinreichend Dinge zu tun, die keine hohen Anforderungen stellen, über deren Erledigung die Allgemeinheit aber froh wäre. Aber eine Kraftanstrengung, auch eine finanzielle, wäre die Etablierung eines solchen Arbeitsmarkts durchaus. Die Gesellschaft muss sich entscheiden, ob sie das auch in Zeiten knapper Mittel leisten will. Wenn nicht, wird sie die Zeche in Form von wachsender Kriminalität, sozialer Entwurzelung und Extremismus zahlen müssen. d.lintz@volksfreund.de