Diskussion um Elektroschockpistolen: lebensrettend oder gefährlich?

Diskussion um Elektroschockpistolen: lebensrettend oder gefährlich?

Bislang dürfen in Rheinland-Pfalz nur Spezialeinheiten der Polizei Elektroschockpistolen einsetzen. Gewerkschaften würden das gerne ändern.

(dpa/lrs) - Nach den jüngsten Messerattacken auf Polizisten in Rheinland-Pfalz mit tödlichem Ausgang werden Forderungen nach Elektroschockpistolen (Tasern) im Streifendienst lauter. „Es gibt viele Einsätze, bei denen mit diesem Gerät Leben gerettet werden können“, sagte Benno Langenberger, Sprecher der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Rheinland-Pfalz, am Montag in Mainz. Doch die Verwendung von Tasern ist umstritten: Die Polizeigewerkschaften sind dafür, das Innenministerium noch dagegen. Angesichts der aktuellen Vorkommnisse werde aber das Anliegen der Gewerkschaften geprüft, teilte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur in Mainz mit. Eine Arbeitsgruppe solle klären, ob Taser auch außerhalb von Spezialeinheiten der Polizei verwendet werden könnten. Kritiker sehen in den Geräten ein Risiko.

Anfang Mai wurde in Ludwigshafen ein 42-jähriger Obdachloser getötet, der einen Polizisten mit einem Messer attackiert hatte. Dessen Kollege schoss sieben Mal auf den Angreifer. Auch in Brachbach im Kreis Altenkirchen endete ein Vorfall im vergangenen Monat tödlich: Ein 36-Jähriger hatte mit zwei Messern in seiner Wohnung randaliert. Auch er wurde von einem Polizisten erschossen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) würde bundesweit jeden Streifenwagen mit einer der Elektroschockpistolen ausstatten. Langenberger sieht in ihnen die sinnvollste Alternative zur Schusswaffe, denn Pfefferspray wirke oft nicht. „Ansonsten haben wir nur den Schlagstock. Und der ist bei einem Messerangriff vollkommen ungeeignet.“ Auch Suizidversuche könnten mit einem Taser verhindert werden. Denn ein Getroffener sei für fünf Sekunden bewegungsunfähig - genug Zeit, um ihm beispielsweise ein Messer oder eine Rasierklinge wegzunehmen, erklärte Langenberger.

Ein großer Vorteil der Waffen sei auch, dass sie sämtliche Einsatzdaten aufzeichnen, sagte Polizeitrainer Michael Radner bei einer Informationsveranstaltung am Montag in Mainz. In den internen Logbüchern werde unter anderem sekundengenau aufgezeichnet, wann der Taser eingeschaltet wurde und wie viele Impulse mit welcher Stromladung abgegeben wurden. „Diese Daten können nicht verändert werden“, erklärte Radner. Im Zweifelsfall könnten Polizisten so lückenlos ihren Einsatz dokumentieren.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Rheinland-Pfalz ist ebenfalls für Taser außerhalb von Spezialeinheiten, sieht die Einsatzmöglichkeiten aber als begrenzt. „Das ist kein Allheilmittel“, warnte GdP-Gewerkschaftssekretär Markus Stöhr. Ein Taser helfe wohl nicht bei einer plötzlichen Attacke oder mehreren Angreifern.

Michael Radner wies darauf hin, dass auch der Funkenflug der Geräte beachtet werden müsse. Gefährlich für alle Beteiligten seien deshalb etwa Einsätze an Tankstellen, sagte er.

Laut Stöhr eignet sich das Gerät gut bei einem statischen Ziel. Als Beispiel nannte er eine Person, die mit einem Messer schreiend in der Fußgängerzone stehe, sich aber nicht vom Fleck bewege und niemanden angreife.

Derweil hält die Kritik an Tasern an. So starben im vergangenen Jahr laut der Hilfsorganisation Amnesty International in 25 Bundesstaaten der USA mindestens 43 Personen durch den Einsatz von Polizeitasern.

Die GdP weist einen direkten Zusammenhang zwischen Elektroschockpistolen und Todesfällen zurück. Oft spielten schon bestehende Verletzungen oder Drogen eine Rolle, sagte Stöhr. Auch das Risiko eines Herzkammerflimmerns sei sehr gering. Allenfalls könne ein Getroffener stürzen und sich dabei verletzen.