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Drei Buchstaben weniger Aufwand

Drei Buchstaben weniger Aufwand

Die Opposition ist sich einig - selbst das CSU-geführte Innenministerium plädiert dafür. Kommende Woche berät der Bundestag über den grünen Gesetzentwurf, wonach im Personalausweis kein Doktor mehr geführt werden soll.


Berlin. Die Opposition will es, und sogar das von der CSU geführte Bundesinnenministerium ist nicht abgeneigt: Doktortitel sollen aus dem Personalausweis verschwinden. Inzwischen liegt dazu ein Gesetzentwurf der grünen Bundestagsfraktion vor, der in den kommenden Wochen in den Ausschüssen des Parlaments beraten werden soll.
Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden gibt es in Deutschland 792 000 Promovierte, davon sind 548 000 Männer und 244 000 Frauen. Bislang wird der "Dr." auf Wunsch in den Ausweispapieren vermerkt. Für die Grünen ist das aber überholt. Sie wollen den Doktorgrad im Passgesetz streichen. "Das ist eine überflüssige, aufwendige und überholte Konvention, die nur zu unnötigen Missverständnissen führt", so Initiatorin Krista Sager zu unserer Zeitung.
"Wenn man mal von Österreich absieht, wo man offenkundig auch gerne an längst überflüssigen Konventionen festhält, dann steht Deutschland mit der Eintragungspraxis international weitgehend isoliert da", sagte Sager. Nach Ansicht der Grünen lädt die bisherige Praxis auch zur Mogelei ein. Eine Reihe "öffentlich gewordener prominenter Plagiatsfälle" belege, dass es mitunter "vorrangig" um die "Steigerung der gesellschaftlichen Reputation" gehe. Das kann getrost als Anspielung auf den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und andere Politiker verstanden werden, die im vergangenen Jahr über eine Plagiatsaffäre stolperten. Nach Einschätzung des SPD-Bildungsexperten Oliver Kaczmarek kommt noch etwas hinzu: "Andere wissenschaftliche Qualifikationsnachweise wie Professor, Master oder Diplomingenieur werden auch nicht in den Dokumenten vermerkt", so Kaczmarek gegenüber unserer Zeitung.
Beitrag zum Bürokratieabbau


Darüber hinaus sei nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und des Bundesverwaltungsgerichts der Doktortitel ein akademischer Grad "und kein Namenszusatz oder Namensbestandteil, den man im Ausweis aufführen muss".
Ungewohnte Schützenhilfe bekommt die Opposition vom Innenministerium: Schon 2006/07 habe man im Zuge der Einführung von biometrischen Daten in den Passdokumenten versucht, den "Dr." aus den Papieren zu streichen, so ein Sprecher. Damals habe sich der Bundestag jedoch anders entschieden. Vor allem aus Rücksicht auf den Widerstand des Bundesrates. Dort wurde die Streichung des Titels in den Reisedokumenten mit dem Verweis auf die "deutschsprachige Kulturtradition" abgelehnt.
Gleichwohl, so das Ministerium, gelte die Einschätzung weiter, "dass Doktorgrade zur Identifizierung einer Person nicht notwendig sind". Ein Verzicht reduziere sogar "den Verwaltungsaufwand im Sinne eines weiteren Bürokratieabbaus". Die endgültige Entscheidung wolle man jetzt aber erneut dem Bundestag überlassen.