Drei dicke Ordner und ein paar Andeutungen

Trier · Wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, wird die Katholische Akademie Ende Juli nächsten Jahres geschlossen - aus Kostengründen. Triers Bischof Stephan Ackermann wagte sich zur Eröffnung des Akademiejahres dennoch auf den Berg und schloss das Wunder zumindest nicht aus.

 Gesammelter Protest: Direktor Jürgen Doetsch (links) übergibt Bischof Stephan Ackermann etwa 15 000 Unterschriften gegen die Schließung der Katholischen Akademie. TV-Foto: Willy Speicher

Gesammelter Protest: Direktor Jürgen Doetsch (links) übergibt Bischof Stephan Ackermann etwa 15 000 Unterschriften gegen die Schließung der Katholischen Akademie. TV-Foto: Willy Speicher

Akademie-Direktor Jürgen Doetsch steht an diesem Abend vor der Eingangstür zum Robert-Schuman-Haus, die die Katholische Akademie beherbergt und begrüßt jeden Ankommenden per Handschlag. Die sich über eine halbe Stunde hinziehende Zeremonie erinnert unweigerlich an ein Begräbnis, in dessen Anschluss die Trauernden kondoliert werden. Doch so weit ist es noch nicht.

Zwar steht die Katholische Akademie (130 Veranstaltungen jährlich mit rund 6000 Teilnehmern) auf einer Streichliste des Bistums Trier und ist mithin vom Ableben bedroht. Doch Direktor Jürgen Doetsch, seine zwölf Mitarbeiter und mit ihnen zahllose Referenten, Besucher und Freunde der Akademie geben die Hoffnung nicht auf, dass der dahinsiechende Patient noch wiederbelebt werden kann. Quasi in letzter Minute.

Denn spätestens Ende Oktober soll das Sparpaket des Bistums endgültig geschnürt sein. 40 Millionen Euro Kosten will die katholische Kirche in Deutschlands ältestem Bistum jährlich einsparen - das ist jeder neunte Euro (der TV berichtete mehrfach).

Eine dreiviertel Million Ausgaben weniger soll nach dem sogenannten Kostensenkungsentwurf allein die Schließung der Katholischen Akademie bringen. So sie denn kommt. Direktor Jürgen Doetsch und seine Mitkämpfer haben in den vergangenen Wochen nichts unversucht gelassen, um dem gestern Abend eingeläuteten 42. Akademiejahr ein 43. folgen zu lassen. Allein 15 156 Menschen aus dem Bistum und darüber hinaus haben sich auf Unterschriftenlisten für einen Fortbestand der katholischen Bildungseinrichtung ausgesprochen.

"Sie dürfen ruhig klatschen", sagt der Bischof



Bischof Stephan Ackermann bekommt an diesem Abend drei dicke rote Ordner mit den Unterlagen der Fürsprecher überreicht. Ackermann lächelt sanft, während seinem Generalvikar Georg Holkenbrink anzumerken ist, dass er wohl lieber im heimischen Fernsehsessel als in der ersten Reihe der Akademie-Aula säße. Als Verwaltungschef des Bischofs ist Holkenbrink eine Art Hauptstrippenzieher beim Schnüren des Sparpakets - keine vergnügungssteuerpflichtige Aufgabe.

Aber es ist Stephan Ackermann, der das Paket letztlich verantwortet und es Ende Oktober in Kraft setzen wird. Man merkt dem 47-Jährigen an, dass er inzwischen heftigen Gegenwind gewöhnt ist. Die letzten Monate seit seiner Ernennung zum Missbrauchsbeauftragten der katholischen Kirche haben ihm gezeigt, dass auch ein Bischof mitunter heftig unter Beschuss geraten kann.

Ackermann hat sich bislang achtbar geschlagen. Und er ist noch ein bisschen selbstbewusster geworden. "Jetzt können Sie ruhig applaudieren", fordert er kurz vor Ende seiner Ansprache die rund 350 Akademie-Gäste auf. Erfolgreich. Dabei hat Ackermann die womöglich von einigen erhoffte frohe Botschaft gar nicht überbracht. Er hat nicht gesagt, dass die Akademie auf jeden Fall bestehen bleibt, aber eben auch nicht das Gegenteil. Doch er macht Andeutungen, die zumindest Raum lassen für Spekulationen über den Fortbestand des Bildungshauses. Etwa: "Wir haben gehört und verstanden" - oder: "Das Stoßgebet des Direktors ist erhört worden."

Neben Jürgen Doetsch legt sich politische Prominenz wie an diesem Abend die Mainzer Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) oder zuvor schon der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster für den Fortbestand der Akademie ins Zeug.

"Sollte es noch einmal eine solche Eröffnungsveranstaltung geben, dann bitte mit kürzerer Begrüßung", sagt der Bischof zum Abschluss an die Adresse des Akademie-Direktors. So viel ist sicher: Dieser Bitte würde Jürgen Doetsch wohl nur allzu gerne nachkommen.

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