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Drei Tage zum Shoppen, sieben Jahre fürs Leben

Drei Tage zum Shoppen, sieben Jahre fürs Leben

Der Einzelhandel bläst zum Endspurt im Weihnachtsgeschäft. Aber was sich die Deutschen aus tiefstem Herzen wünschen, lässt sich nicht kaufen. Es sind ideelle Dinge, die auf dem heimlichen Wunschzettel ganz oben stehen.

Trier. Bei Umfragen lohnt sich immer ein Blick auf die Auftraggeber. Dann lässt sich besser einschätzen, welche Absicht dahintersteht. Wenn also der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) das renommierte Forsa-Institut damit beauftragt, eine repräsentative Gruppe von Menschen über 14 Jahre nach den größten Wünschen für das Weihnachtsfest zu fragen, dann kann das Hauptinteresse nicht darin liegen, die Lust auf Konsum zu dokumentieren.Lebenserwartung unterschätzt

Und in der Tat geht es im konkreten Fall darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Menschen in Deutschland immer älter werden und länger fit bleiben. "Die meisten Deutschen unterschätzen ihre Lebenserwartung deutlich und haben oft ein falsches, sehr negatives Bild vom Alter", sagt GDV-Sprecher Christian Ponzel. Da jede Erkrankung die Versicherungen Geld kostet, liegt ein möglichst beschwerdefreies Leben im Alter natürlich in deren Interesse. Weil viele Erkrankungen auch durch die Psyche ausgelöst und beeinflusst werden, sind optimistisch in das Alter blickende Menschen die beliebtesten Versicherungsnehmer. "Unsere Initiative ,Sieben Jahre länger leben' will einen gesellschaftlichen Dialog darüber führen, wie wir das Beste aus den gewonnenen Jahren machen können", verrät Ponzel zur Methodik der Weihnachtsstudie. Bei der war zur Frage, was man sich zu Weihnachten wünscht, nur eine Antwort erlaubt. Mehrfachantworten waren allerdings bei der Frage möglich, was man mit geschenkter Zeit machen würde. So kann der regionale Einzelhandel also vergleichsweise Gelassen auf das Ergebnis blicken, das ideellen Dingen einen weitaus höheren Stellenwert zumisst als materiellen. Denn nur 23 Prozent der 1002 befragten Jugendlichen und Erwachsenen gaben käuflich erwerbbare Dinge als ihren größten Wunsch an. Ganz oben auf dem Wunschzettel der Deutschen steht mit 32 Prozent das Thema Gesundheit - für sich selbst, die Familie oder Freunde. An zweiter Stelle folgt mit 24 Prozent die Verbesserung gesellschaftlicher oder politischer Verhältnisse, wobei Frieden für die Welt der sehnlichste Wunsch ist. Weitere 21 Prozent der Befragten wünschen sich andere nichtmaterielle Dinge, wie ein schönes Weihnachtsfest und Gutes für die eigene Familie. Könnte sie sich zu Weihnachten aber auch einfach mehr Zeit wünschen, würden drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) diese am liebsten mit Freunden und Familie verbringen. An zweiter Stelle folgt mit 68 Prozent der Wunsch, Reisen zu unternehmen. Besonders ausgeprägt ist diese Sehnsucht bei den 14- bis 29-Jährigen (82 Prozent). Aber auch bei den über 60-Jährigen würden fast zwei Drittel (63 Prozent) die geschenkte Zeit für Reisen nutzen.Außerdem würden die Deutschen gerne neue Dinge lernen (61 Prozent), sich ehrenamtlich engagieren (47 Prozent), Sport treiben (46 Prozent), sich ausruhen und entspannen (42 Prozent) oder ein neues Hobby entdecken (35 Prozent). Immerhin 38 Prozent würden aber gerne einfach weiter leben wie bisher.Aus Sicht des Einzelhandels sollte die gewonnene Zeit für möglichst viele Erlebniseinkäufe in den Städten der Region genutzt werden. Denn auf das Erlebnis beim Stadtbummel müssen die Händler auch angesichts der zunehmenden Konkurrenz aus dem Internet setzen. "Überall in der Region zahlen die Händler zum Beispiel die Weihnachtsbeleuchtung", sagt Gerd Guillaume, Vorsitzender der City-Initiative Trier. Die Trierer Händler lassen sich das eine stolze Summe kosten. 15 000 Euro haben sie auch gezahlt, um gemeinsam mit den Stadtwerken an den Adventssamstagen an den Einfahrten zur Stadt Park-and-Ride-Plätze mit hoher Busfrequenz zu installieren. "Dieser Service zum stressfreien Einkaufen wurde genutzt, aber es hätte noch besser sein können", bilanziert Guillaume, der in Zukunft noch viel mehr die Werbetrommel dafür rühren will. Denn die knapp 3000 Stellplätze in den elf Parkhäusern und Tiefgaragen der Stadt reichen an besucherstarken Tagen meist nicht aus, um den Gästen aus dem Umland schnell verfügbare Parkmöglichkeiten bieten zu können. Warmes Wetter bremst Umsatz

Dass heute und in den beiden kommenden Tagen noch einmal viel los sein wird, wünschen sich nicht nur die Trierer Händler, auch wenn deren Kunden dann auf einen eng getaktetes P&R-Angebot verzichten müssen. Wie im Oberzentrum, so hat auch in den anderen Städten der Region das milde und oft regnerische Wetter vor allem in den Modegeschäften und Bekleidungsboutiken die vorweihnachtlichen Umsätze gebremst. Angesichts der vollen Lager werden Preisreduzierungen in diesem Jahr bereits vor dem Fest eine Rolle spielen. Die gute Laune der weihnachtlichen Schnäppchenjäger liegt sicherlich im Interesse der Versicherungswirtschaft. Auch wenn sich deren Freude über materielle Dinge nicht ganz mit den Ergebnissen ihrer Umfrage deckt. Extra

Sieben Jahre länger ist eine Initiative der Deutschen Versicherer. Der Verband will mit Verweis auf Studien des Max-Planck-Instituts München das Bewusstsein dafür schärfen, dass die Menschen in Deutschland immer älter werden und fit bleiben. Die meisten Deutschen haben demnach ein falsches und sehr negatives Bild vom Alter. Im Durchschnitt sei die reale Lebenserwartung sieben Jahre länger als sie selbst glaubten. Den Selbsttest kann jeder auf der Kampagnen-Homepage machen. Letztlich, so die Versicherer, soll ein gesellschaftlicher Dialog darüber angestoßen werden, wie die Menschen das Beste aus den gewonnen Jahren im Alter machen können. r.n. 7jahrelaenger.de