Drohbriefe vom Dechanten

Ein katholischer Priester aus dem Saarland steht im Verdacht, Drohbriefe an einen Kollegen geschrieben zu haben. Die Kriminalpolizei ermittelt. Hintergrund der ganzen Affäre sind jahrelang zurückliegende Missbrauchsfälle, die der Briefempfänger angezeigt hatte.

Saarbrücken. Der ehemalige Völklinger Dechant gerät in der Affäre um Drohbriefe an den früheren Köllerbacher Pfarrer Guido Johannes Ittmann immer stärker unter Druck. Ittmann teilte in einem offenen Brief mit, dass Polizei und Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen gegen den Ex-Dechanten dessen Fingerabdrücke an einigen Drohbriefen gefunden hätten.
Der 54-Jährige wird verdächtigt, in seiner Zeit als Dechant Ende 2010 und Anfang 2011 anonyme Drohbriefe an Ittmann verfasst zu haben, der damals Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde war. Ittmann hatte im Mai 2010 Anzeige erstattet, nachdem er Hinweise auf frühere Missbrauchsfälle in seiner Gemeinde erhalten hatte. Der ehemalige Dechant bezeichnete die Missbrauchsvorwürfe seinerzeit als "Gerüchte", die sich nicht erhärtet hätten.
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wollte sich gestern auf TV-Anfrage nicht zu den Vorwürfen gegen den ehemaligen Völklinger Dechanten äußern: "Das ist ein laufendes Verfahren. Deshalb möchte ich jetzt auch keine Aussage dazu machen", sagte Ackermann am Rande des Besuchs in der Trierer Arbeitsagentur. Der Bischof räumte aber ein, dass "die Situation vor Ort schwierig" sei. "Das beschäftigt uns schon seit längerer Zeit."
Ittmann verließ an Ostern 2011 nach einer Serie von Drohbriefen seine Gemeinde und begab sich in ärztliche Behandlung. Der ehemalige Dechant ist jetzt Priester in einer anderen saarländischen Pfarrei.
Die von Ittmann angezeigten Missbrauchsfälle sollen sich in der traditionalistisch-katholischen Köllerbacher Martinsgemeinde ereignet haben, die zur Herz-Jesu-Gemeinde gehört. Ein früherer Priester der Martinsgemeinde soll sich Ende der 1990er Jahre an einem Mädchen vergangen haben. Ähnliche Vorwürfe gab es auch gegen einen Laien der Traditionalisten-Gemeinde.
Das Opfer bestätigte nach der Anzeige die Vorwürfe sowie Übergriffe eines weiteren Geistlichen auf ihren Bruder. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren aber wegen Verjährung ein. nof/sey

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