Droht Krieg im Pazifik? - TV-Experte erklärt den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea (Kommentar)

Droht Krieg im Pazifik? - TV-Experte erklärt den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea (Kommentar)

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea verschärft sich. Beide Seiten sprechen von Militärschlägen. Ein Experte aus Rheinland-Pfalz warnt vor einer weiteren Eskalation.

Säbelrasseln oder ernsthafte Kriegsgefahr? Nordkoreas Militär hat den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam gedroht. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Nordkorea indirekt militärische Gewalt angedroht. Wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen "begegnet mit Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat", sagte Trump.

Wie ernst sind diese Drohungen zu nehmen? "Hilfreich ist die Äußerung sicherlich nicht", sagt David Sirakov. Er ist Leiter der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern. Sie wurde vor 20 Jahren von der Landesregierung gegründet, um die Kontakte zu den USA zu pflegen und über die dortige Politik und Gesellschaft zu informieren. Sirakov glaubt nicht, dass den Äußerungen Trumps konkrete Konsequenzen folgen werden. "Die Idee dahinter ist, die Aufmerksamkeit von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un zu erlangen und die Stärke der Vereinigten Staaten zu demonstrieren", erklärt der USA-Experte. Trump laufe damit allerdings Gefahr, "in eine Eskalationsspirale einzutreten". Sirakov hält eine militärische Auseinandersetzung für illusorisch. "Diese hätte unvorhersehbare Folgen und würde eine Vielzahl an nord- und südkoreanischen sowie amerikanischen Opfern nach sich ziehen."

In den USA scheint man gar nicht so sicher zu sein, dass es Trump bei seinen verbalen Drohungen belässt. Der außenpolitisch profilierte US-Senator John McCain mahnte Trump zur Zurückhaltung. "Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht bereit zum Handeln sind", sagte der Republikaner.
Auch in Deutschland betrachtet man die Entwicklung mit Sorge. "Die Lage ist wirklich ernst. Ein weiteres Säbelrasseln wird uns hier sicher nicht weiterhelfen", sagte ein Sprecher von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). "Wir rufen deshalb alle Beteiligten zur Mäßigung auf." US-Außenminister Rex Tillerson versuchte zu beruhigen. Er glaube nicht, dass es eine unmittelbare Bedrohung gebe.

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea gilt als einer der gefährlichsten in der Welt. Er betrifft gleich mehrere Pazifik-Staaten. Japan und Südkorea sind Verbündete der USA, des Erzfeindes der Führung in Pjöngjang. Beide Länder fühlen sich durch das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas zunehmend bedroht. Immer wieder testet Nordkorea Interkontinentalraketen, die Reichweiten von bis zu 10.000 Kilometern haben sollen.

Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, bedeute das nicht automatisch, dass dann auch die Nato und alle ihre Mitgliedsländer, darunter Deutschland, betroffen seien, sagt US-Experte Sirakov. "Sollten die USA den Weg eines Angriffs gehen, wäre die Nato außen vor, da es sich dabei um ein Verteidigungsbündnis handelt. Bei einem nordkoreanischen Angriff sähe das natürlich anders aus." Selbst wenn es zu einem Nato-Fall käme, wären die US-Stützpunkte in Rheinland-Pfalz, also etwa in Spangdahlem (Eifelkreis Bitburg-Prüm) oder im pfälzischen Ramstein, vermutlich nicht davon betroffen. Sirakov: "Die hier stationierten Regionalkommandos sind für Europa, den Mittleren Osten und Afrika zuständig."
Kommentar

Hätte Donald Trump doch geschwiegen!

Der US-Präsident führt die Welt an den Abgrund.

Eine alte lateinische Redensart lautet: Si tacuisses, philosophus mansisses - wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben. US-Präsident Donald Trump war zwar noch nie ein Philosoph, sondern schon immer ein Narziss, gleichwohl passt dieser Spruch perfekt zu ihm. Hätte er doch geschwiegen!
Nicht nur diesmal, aber diesmal ganz besonders. Denn mit seinen martialischen Drohungen gegenüber dem nordkoreanischen Regime führt Trump die Welt an den Rand eines Abgrunds, in den sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nie wieder blicken wollte.
Wenn der amerikanische Präsident tönt, seinem kommunistischen Widersacher Kim Jong Un mit "Feuer, Wut und Macht" zu begegnen, "wie es die Welt noch nicht gesehen hat", dann kann der fanatische Machthaber das nur als Androhung eines Angriffs, auch mit Atomwaffen, auffassen. Zumal das Datum der Drohung kein Zufall gewesen sein dürfte, denn am 9. August ist es exakt 72 Jahre her gewesen, dass die USA eine Atombombe über dem japanischen Nagasaki abgeworfen haben. Entsprechend fällt die Antwort aus Nordkorea aus: "grenzenloser Krieg".
Die indirekte Drohung, Atomwaffen einzusetzen, gehört seit Jahrzehnten zur amerikanischen Außenpolitik. Aus gutem Grund waren die mächtigsten Männer der Welt immer vorsichtig damit, sie auch auszusprechen. Dass Trump mit diesem Grundsatz praktisch bricht, und das ausgerechnet gegenüber einer unberechenbaren Atommacht, als die Experten Nordkorea mittlerweile betrachten, kann man nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Leider ist das keine der üblichen Dummheiten, wie sie Trump beinahe täglich über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, sondern es ist in einer ohnehin angespannten Situation extrem gefährlich.
Kim denkt gewiss nicht daran, sein atomares Raketenprogramm aufzugeben. Er rasselt schon lange mit dem Säbel. Er will sein Land aus der Isolation herausführen. Er will etwas gelten.
Trump wäre klug beraten gewesen, dem chinesischen Vorschlag zu folgen und auf den Diktator zuzugehen, zumal er schon einmal unverhohlen Sympathie für Kim hat erkennen lassen. So aber hat der US-Präsident nur noch die Wahl, entweder seine Glaubwürdigkeit und die seines Landes aufzugeben oder einen Krieg zu beginnen. Ersteres wäre nicht gut für Amerika, Letzteres fatal für die ganze Welt.
Hoffentlich gelingt es einem der militärischen Experten, mit denen sich Donald Trump so gerne umgibt, vielleicht seinem Stabschef John Kelly, ihn von seiner Kriegsrhetorik abzubringen. Auf seine Verbündeten von der Nato hört er ja schon lange nicht mehr.

f.giarra@volksfreund.de
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JETS AUS SPANGDAHLEM OFT AN DER FRONT

(Mos) Mit großer Aufmerksamkeit dürften auch die in Spangdahlem stationierten US-Soldaten die aktuelle Entwicklung verfolgen. Werden sie in den kriegerischen Auseinandersetzungen der USA doch oft an die Front geschickt.
Zuletzt kämpfte das Geschwader in Syrien und dem Irak gegen den IS. Auch in Afghanistan und in den Golfkriegen war das 52. Jagdgeschwader im Einsatz. Auf der Airbase Spangdahlem arbeiten 258 Offiziere, 2752 Militärangestellte, 715 US-Zivilisten und 769 deutsche Zivilisten. Hinzu kommen mehrere Tausend amerikanische Familienangehörige.
Die 480. Kampfstaffel ist laut Airbase-Pressestelle die einzige ihrer Art in der Air Force: Die F-16-Kampfjets haben im Ernstfall die Aufgabe, feindliche Luftabwehr zu zerstören und den Weg für nachfolgende Bomber freizumachen.

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