Durch die Eifel statt den Rhein entlang

Durch die Eifel statt den Rhein entlang

Grüne und CDU sind sich einig: Um die vom Lärm der Güterzüge geplagten Bewohner des Mittelrheintales zu entlasten, soll ein Teil der Züge durch die Eifel fahren. Das Land hält nichts davon.

Trier. Rollen durch die Eifel in ein paar Jahren täglich bis zu 70 Güterzüge? Weil die Bewohner des Mittelrheintals zwischen Bingen und Bonn vom unerträglich gewordenen Zuglärm entlastet werden sollen, bringen Politiker diese Variante ins Spiel. "Die Lärmbelastung vor allem durch den Bahnlärm im Mittelrheintal hat ein erträgliches Maß für die Bürger weit überschritten", sagt Grünen-Landeschefin Britta Steck.
Alternative Trassensuche


Weil die Anschaffung von leiseren Güterzügen "kurzfristig nicht möglich erscheint, müssen dringend Alternativtrassen geprüft werden". Und eine dieser Alternativen sieht Steck in der 163 Kilometer langen Eifelstrecke von Trier-Ehrang bis kurz vor Köln, auf der derzeit nur Personenzüge fahren. "Das würde den Menschen im Mittelrheintal helfen und sie vom Lärm entlasten." Ganz ähnlich sieht es auch die CDU-Landtagsfraktion: "Der Ausbau der Eifelstrecke ist eine wirtschaftliche und effektive Maßnahme, um alternative Strecken für den Güterverkehr anzubieten", sagt CDU-Landtagsabgeordneter Hans-Josef Bracht aus Rheinböllen (Rhein-Hunsrück-Kreis). So könnte man den Güterverkehr zwischen Berlin und Straßburg maßgeblich entlasten. Bereits vor sechs Jahren habe seine Partei eine entsprechende Initiative in den Landtag eingebracht, so Bracht gegenüber unserer Zeitung. Die Nutzung von bereits bestehenden Strecken, so die Argumentation der CDU, sei billiger als der Bau einer komplett neuen Güterzug-Strecke. Und es ginge schneller. Planung und Bau einer komplett neuen Bahntrasse nehmen erfahrungsgemäß mindestens 20 Jahre in Anspruch.
Die CDU stützt sich auf eine Untersuchung des Umweltbundesamtes vom August 2010 zur Zukunft des Schienennetzes. Darin wird die seit 1871 durchgängig befahrbare Eifelstrecke als Bypass ins Gespräch gebracht, "der die Frankreich-Verkehre von der hochgradig belasteten Rheinschiene und der Moselstrecke abzieht". Voraussetzung dafür sei aber, die Strecke komplett zu elektrifizieren. Mangels Strom müssen die Züge von Trier nach Köln zurzeit mit Dieselloks gezogen werden. Das ist auch der Grund, warum seit 2001 keine Güterzüge mehr durch die Eifel fahren.
Die Kosten für eine Elektrifizierung der kompletten 163 Kilometer langen Strecke seien Mitte der 1980er Jahre mit über 200 Millionen Euro beziffert worden, heißt es beim Arbeitskreis Schienenverkehr im Rheinland, einem Zusammenschluss von Bahnexperten und -kunden. Außerdem seien 66 Kilometer der Strecke nur eingleisig. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die gesamte Strecke zweigleisig ausgebaut. Auf Anordnung der französischen Besatzer wurde das zweite Gleis der heute rheinland-pfälzischen Seite größtenteils abgebaut. Das Gleismaterial wurde nach Frankreich gebracht.
Hinzu kommt, dass die Eifelstrecke stellenweise sehr steil ist. "Es steht außer Frage, dass die Randbedingungen die Strecke für den Güterverkehr nicht prädestinieren" heißt es in der Untersuchung des Umweltbundesamtes. Allerdings relativiere sich das Bild, wenn man sich vor Augen halte, "dass sämtliche Alternativen zur Entlastung der Rheinschiene kostenseitig oder betrieblich mindestens genauso schlecht abschneiden".
Entlastung dringend nötig



Mit anderen Worten: Die Eifelstrecke ist nicht optimal für den Güterverkehr, aber immer noch besser als eine Neubaustrecke.
Und dass die Bahnstrecken entlang des Rheins entlastet werden müssen, das ist unter Experten unbestritten. Spätestens mit der für 2016 geplanten Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz werde sich der Güterverkehr auf der Rheinschiene deutlich erhöhen und die Strecke an ihre Kapazitätsgrenzen gelangen lassen. Durch den Gotthard sollen Güterzüge von der Nordsee bis ins italienische Genua fahren. Zu den ohnehin schon über 400 täglich durchs Rheintal fahrenden Güterzüge kommen dann noch mal mindestens 120 hinzu. 70 dieser Güterzüge sollen, so die Meinung der Befürworter, durch die Eifel rollen.
Der Arbeitskreis Schienenverkehr im Rheinland hält die Strecke allerdings nicht dafür geeignet und die Pläne für unrealistisch. Die Kosten für einen Ausbau der Eifelstrecke werden vom Arbeitskreis auf eine Summe zwischen 500 und 800 Millionen Euro geschätzt.
Wie teuer eine Verlagerung von Güterzügen in die Eifel würde, weiß man im rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium nicht. Die Strecke sei ohnehin nicht geeignet für den Güterverkehr, weil sie weitestgehend eingleisig sei und stark von Personenzügen befahren werde, sagt ein Ministeriumssprecher. Und weil sie starke Steigungen aufweise und nicht elektrifiziert sei.