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Ehemalige Trierer Tupper-Händlerin hat viel Geld verdient und ist nun verschuldet - Unternehmen wehrt sich

Ehemalige Trierer Tupper-Händlerin hat viel Geld verdient und ist nun verschuldet - Unternehmen wehrt sich

Tupperware war ihr Leben. Und dieses Leben der 42-jährigen Petra Hoffmann droht nun zu zerbrechen, weil das Unternehmen von der ehemaligen Trierer Bezirkshändlerin über 400.000 Euro verlangt. Geld, das sie nicht hat.

Petra Hoffmann hat Tränen in den Augen, als sie die Tür zu dem leerstehenden Geschäftshaus in der Trierer Gottbillstraße aufsperrt. "Das hier war mein Leben", sagt die 42-Jährige aus Idar-Oberstein und zeigt auf die leere Lagerhalle am Ende des 800 Quadratmeter großen Gebäudes.

"Ihr Leben", das war Tupper. Das Geschäft mit dem unkaputtbaren Plastikgeschirr. Und nun sei ihr Leben kaputt, sagt Hoffmann. Kaputt gemacht durch Tupperware, dem 1938 gegründeten amerikanischen Weltunternehmen, dessen Schüsseln und Küchenutensilien in so vielen deutschen Haushalten stehen.

Tupper habe sie und ihren Mann Thomas in den Ruin getrieben. 408.055,01 Euro. So viel fordere das Unternehmen von ihnen. Geld, das sie nicht hätten.

Dabei hat alles so gut angefangen. 2008 ist die zweifache Mutter zu Tupper gekommen. Eigentlich wollte sie nur das Starterset, eine Tasche voller Plastikgeschirr, die alle diejenigen bekommen, die sogenannte Beraterinnen werden wollen. Beraterinnen, das sind die Frauen, die die Tupperpartys veranstalten, auf denen die Plastiksachen verkauft werden. Doch schnell findet Hoffmann Gefallen an dem Geschäft mit den bunten Schüsseln und Salatbestecken. "Es lief super, das war genau mein Ding", sagt sie.Schnelle Karriere

Die Provision für die Beraterinnen beträgt 24 Prozent vom Umsatz. Laut Tupperware können bei einer Party rund 300 Euro Umsatz erzielt werden. Hoffmann macht schnell Karriere, steigt zur Gruppenberaterin auf, hat mehrere Beraterinnen unter sich. Nach einem Jahr wird sie Teamleader und damit Chefin von mehreren Gruppenberaterinnen.
Und dann, im Jahr 2012, kommt das Angebot, das sie nicht habe abschlagen können. Hoffmann soll die Bezirkshandlung in Trier übernehmen. Ihr Mann, ein gelernter Verkäufer, steigt mit ein. Von solchen Bezirkshandlungen werden alle Beraterinnen in der entsprechenden Region gesteuert. Hier erhalten sie wöchentlich ihre neue Ware, die sie an die Frau bringen sollen. Und hier werden regelmäßig in internen Verkaufshows die neuesten Produkte vorgestellt.

"Die Beraterinnen waren hoch motiviert", sagt Hoffmann, während sie in dem Raum im ersten Stock des Geschäftshauses steht, in dem die Shows stattgefunden haben. Am Ende des mit grauem Teppichboden ausgelegten, leergeräumten Zimmers erhebt sich eine kleine Bühne. Die Shows gehören zum System Tupper. Da werden die Beraterinnen eingeschworen, es wird ihnen vermittelt, wie toll sie sind, wie toll Tupperware ist. Es geht natürlich um Umsatz, den sie machen müssen. Auch sie habe von "oben", von ihrem Regionaldirektor, klare Vorgaben bekommen, was die Zahlen angeht.

Tupperware teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass die Händler "in wesentlichen Aspekten ihrer unternehmerischen Entscheidungen in keiner Weise an Vorgaben von Tupperware gebunden" seien. Es sei dem Unternehmen sehr daran gelegen, die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Händler zu bewahren: "Als selbständige Unternehmer gestalten sie ihren Erfolg wesentlich mit und treffen ihre eigenen Entscheidungen, wie beispielsweise über Mietverträge und Personaleinsatz", sagt Tupperware-Kommunikationschef Maik Scheifele.Keine Zweifel am System

Zweifel am System Tupper haben die Hoffmanns zu dem Zeitpunkt nicht. Beide haben laut ihren eigenen Aussagen zuvor unabhängig voneinander jeweils eine Privatinsolvenz hinter sich, aus der sie erfolgreich, also schuldenfrei, herausgekommen seien. Tupperware habe ihnen bei der Übernahme nur die Vorzüge genannt. "Man hat uns gesagt, dass wir nicht in die Miesen reinrutschen können", sagt Petra Hoffmann.

170.000 Euro habe Tupperware als Ablöse für die Übernahme der Handlung von ihnen verlangt - für das Inventar, die Technik, die Computer. Das Geld sei von ihrem monatlichen Umsatz abgezogen worden. "Abtuppern" wird das genannt. Die Miete für das Gebäude müssen die Hoffmanns bezahlen - auch jetzt noch, obwohl es leer steht. Der Mietvertrag läuft noch bis 2019. Über zwei Millionen Euro Umsatz hätten sie im ersten Jahr gemacht, sagt Thomas Hoffmann, der sich um die Finanzen gekümmert hat. 600 Beraterinnen arbeiteten für das Ehepaar. Auch in Luxemburg. "Es war ein Super-Team, es lief alles bestens", sagt Petra Hoffmann. 18-Stunden-Tage seien für sie normal gewesen.

Als Tupperware angeordnet habe, dass die Luxemburger Beraterinnen von der Trierer Bezirkshandlung abgespalten und zu einer eigenen Bezirkshandlung im Nachbarland würden, habe die bis dahin heile Tupperwelt erste Risse beommen, sagen die Hoffmanns. Während der Umsatz der Luxemburger Tupper-Frauen der dortigen Leiterin zugeschlagen worden sei, haben die Hoffmanns laut ihrer Darstellung jeden Monat 2000 Euro Miete für die dortigen Räume von ihrem Umsatz abzwacken müssen "Wir haben von da an nur noch draufgelegt", sagt der 48-jährige Hoffmann. Tupperware habe ihn gesagt, dass man ihnen helfe werde, da wieder herauszukommen. Daher hätten sie keine Bedenken gehabt, Ende 2013 den Vertrag für die Bezirkshandlung zu verlängern und für weitere fünf Jahre einen Mietvertrag abzuschließen. Zudem hätten sie noch ein Tupper-Regionalcenter im Kreis Birkenfeld eröffnet.

Doch das Loch in der Kasse wird immer größer. 70.000 Euro habe 2013 das Minus betragen. Petra Hoffmann bricht zusammen, wird krank. Burnout. Depressionen. Doch sie denkt nicht ans Aufgeben. Will wieder gesund werden. Will Umsatz machen. Aus dem Minus rauskommen.Scheu vor Schuldeingeständnis

Laut Tupperware hat man versucht, dem Ehepaar entgegenzukommen, sich mit ihm zu einigen: "Zuletzt haben wir einen Vergleichsvorschlag sowie erneute Gesprächsangebote gemacht - leider bisher ohne Resonanz", sagt Tupperwaresprecher Scheifele. "Das wäre doch ein Schuldeingeständnis gewesen. Wir konnten doch nichts dafür, dass es so weit gekommen ist", erklärt Petra Hoffmann, warum sie nicht darauf eingegangen ist.

Im Januar dieses Jahres habe Tupperware dann 220.000 Euro von ihnen verlangt. "Die Bezirkshandlung Hoffmann hat Produkte bei Tupperware bestellt, diese bereits weiterverkauft, jedoch nicht den dafür fälligen Anteil an Tupperware abgeführt", begründet das Unternehmen die Forderung. Man begleite das Ehepaar seit mehreren Jahren und kenne den Sachverhalt gut. "Wie stets haben wir uns auch hier über einen langen Zeitraum intensiv eingebracht und Lösungsvorschläge erarbeitet", sagt Scheifele. Als selbständige Unternehmer liege es allein in der Hand der Händler, "ob sie unseren Rat annehmen oder nicht".

Diese Gesprächsangebote sind laut Petra Hoffmann nichts anderes gewesen, als weiter Druck auf sie auszuüben. "Das ist Gehirnwäsche, was die mit einem machen", behauptet die 42-Jährige.

Am 9. Januar ist den Hoffmanns die Kündigung ins Haus geflattert. Mittlerweile belaufe sich die Summe, die Tupperware von ihnen haben wolle, auf eben die 408.055,01 Euro.

Tupperware wehrt sich dagegen, an der Misere schuld zu sein. "Wir sind sehr enttäuscht über den Verlauf und die einseitige Darstellung des Sachverhalts." Man könne die Haltung der Familie nicht nachvollziehen.