Ein bisschen Pflege kann eben doch nicht jeder

Es wäre ja so einfach: Auf der einen Seite gibt es einen Personalnotstand in Krankenhäusern und Altenheimen, auf der anderen viele arbeitswillige Flüchtlinge, die man in der Pflege einsetzen könnte. Was von der Politik gut gemeint ist, hilft der Branche und letzten Endes uns als Krankenhauspatienten, Angehörigen von Pflegebedürftigen und Zahlern von Sozialbeiträgen nicht weiter.

Klar ist, dass sich die Pflegebranche in einem Umbruch befindet, ausgelöst durch den demografischen Wandel und den gestiegenen Kostendruck in den Häusern. Dass wir alle immer älter werden, ist zunächst ein Segen. Es erfordert aber auch oft eine längere, intensivere und speziellere Versorgung und Pflege im Alter. Wo mehrere Krankheitsbilder und unterschiedliche Demenzzustände aufeinandertreffen, sind nicht nur die Versorgung mit Essen und die Körperpflege wichtig. Hier erfordert es spezialisierte Fachleute, die wissen, wie man die Lebensqualität eines Patienten stabilisieren oder gar verbessern kann. Und das kostet Geld, viel Geld.Wo allerdings ein knappes Budget den Handlungsspielraum einschränkt und der Konkurrenzkampf mit anderen Einrichtungen Vorrang hat, wird der Fokus das ein oder andere Mal wohl eher auf Technik und Kosten denn aufs Pflegepersonal gelegt werden.Pflege in Krankenhäusern und Altenheimen wird vielschichtiger werden müssen, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, denen der Träger, der Patienten und der Beschäftigten: Da wird es einfachere Tätigkeiten geben, die weniger Ausbildung erfordern, es wird aber auch viele qualifizierte und ausreichend bezahlte Pfleger geben müssen, die ein großes Fachwissen haben und sensibel auf Patienten eingehen können. Und dies kann eben nicht jeder. Hier muss bei der Ausbildung der Fokus angesetzt werden, dass die Pflege eine Qualifikation auf fachlicher und persönlicher Ebene voraussetzt. Was bei allem nämlich nicht vergessen werden darf: Es geht um Menschen - und am Ende um uns selbst. s.schwadorf@volksfreund.de