Ein Doktorand zum Fall Guttenberg

Ein Doktorand zum Fall Guttenberg

Michael Brückner (31) aus Trier schreibt gerade an seiner Doktorarbeit. Der TV hat ihn zum Fall Guttenberg befragt.

Herr Brückner, Sie haben drei kleine Kinder, einen anspruchsvollen Job und arbeiten gerade an Ihrer Doktorarbeit in Jura. Schummeln Sie auch manchmal bei den Fußnoten?

Brückner: Ich könnte das nicht mit mir selbst vereinbaren. Geistiges Eigentum anderer zu übernehmen, widerspricht der Idee einer Doktorarbeit. Sie soll ja eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit zu einem Thema sein, das in dieser Form noch nicht erforscht ist.

Fremdschämen oder Wut: Mit welchen Gefühlen haben Sie die Plagiatsaffäre verfolgt?

Brückner: Ich empfinde definitiv Ärger. Es kostet viel Mühe, sich einzelne Tage für die Doktorarbeit abzuknapsen, wenn man Kinder hat und die ganze Woche über im Job steht. Für die, die unter diesen Umständen seriöse Arbeiten verfassen, ist es schwer zu ertragen, mit welcher Leichtigkeit die Politik zunächst über die Vorwürfe gegen den Verteidigungsminister hinweggegangen ist.

Was bedeutet diese Affäre für Ihre eigene Doktorarbeit?

Brückner: Ich glaube nicht, dass eine Promotion künftig weniger wert sein wird. Aber dadurch, dass Karl-Theodor zu Guttenberg herausgestellt hat, das Promovieren im Nebenberuf habe zu den Plagiaten geführt, fühlt man sich zurzeit einem gewissen Generalverdacht ausgesetzt. Ich bin in den vergangenen Tagen oft auf dieses Thema angesprochen worden.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass auf fast 300 Seiten der Guttenberg-Doktorarbeit Plagiate aufgetaucht sind?

Brückner: Die Häufigkeit spricht in meinen Augen für ein beabsichtigtes Vorgehen - ebenso wie die Tatsache, dass Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags vollständig übernommen wurden, ohne die Herkunft zu kennzeichnen.

Und wie erklären Sie sich, dass der Doktorvater die Arbeit mit der Bestnote bewertete?

Brückner: Bei dieser Fülle an Plagiaten kann ich mir nicht erklären, warum die Schummeleien nicht aufgefallen sind. Ich möchte niemandem etwas unterstellen. Aber ich frage mich schon, ob hier aufgrund der Person des Doktoranden ein anderer Prüfungsmaßstab angelegt wurde.

War der Rücktritt Guttenbergs die richtige Konsequenz?

Brückner: Absolut. Er hat mit seinem Zaudern bereits erheblichen Schaden angerichtet. Nun hat er endlich das Notwendige getan.

Mit Michael Brückner sprach TV-Redakteurin Inge Kreutz.

Zur Person Michael Brückner (31, Foto: privat) wohnt mit Frau und drei kleinen Kindern in Trier und arbeitet als Justiziar in Luxemburg. Als Doktorand am Institut für Wirtschaftsrecht an der Universität seiner Geburtsstadt Kassel arbeitet er nebenher an seiner Dissertation zum Thema "Die Rechtsform-Kompetitivität der Investment-Aktiengesellschaft".

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