Ein erster Schritt

Es gibt guten Grund, die ersten offiziellen Gespräche zwischen den USA und dem Iran nach 27 Jahren "Eiszeit" mit einer gehörigen Portion Pessismus zu sehen.

Denn seit dem Abbruch diplomatischer Beziehungen im Jahr 1980 durch Washington hat es immer wieder Annäherungs- und Verständigungsversuche hinter den Kulissen gegeben, die jedoch alle im Sande verliefen und an den starren Positionen einer oder beider Seiten scheiterten.

Gestern redeten die Botschafter beider Länder in Bagdad wieder miteinander, wobei die Interessenlage bei der Irak-Thematik - der ebenso heikle Punkt der Nuklearambitionen Teherans wurde wohlweislich erst einmal ausgespart - nicht unterschiedlicher sein könnte. Washington will im Zweistromland stabile, sichere und demokratische Verhältnisse ohne Einmischungen regionaler Mächte. Teheran strebt jedoch unverhohlen eine Dominanz der Schiiten an und scheut - dafür wollen US-Militärs jede Menge Beweise haben - auch vor einer aktiven Förderung schiitischer Ex tremisten mit Waffen, Geld und Sprengmaterial nicht zurück. Zudem macht die iranische Führung kein Geheimnis daraus, dass sie die US-Truppen so schnell wie irgend möglich aus dem Irak abgezogen sehen möchte.

Dass man sich Verlautbarungen zufolge bei der gestrigen Gesprächsrunde in Bagdad auf die Grundzüge einer gemeinsamen Irak-Politik geeinigt hat, erscheint zumindest als Lichtblick am Horizont. Doch der Teufel steckt trotz dieses begrüßenswerten ersten Schritts wie so oft im Detail: Welchen Anreiz gibt es beispielsweise für den Iran, die aktive Einflussnahme zurückzuschrauben? Und welche Druckmöglichkeiten - abseits von militärischen Muskelspielen - hat Washington gegenüber einem Land, das sich bisher durch die UN-Sanktionen im Atomstreit nicht beeindrucken ließ - auch, weil es weiß, dass es immer noch im Weltsicherheitsrat über eine gehörige Portion Rückendeckung des wichtigen Handelspartners Russland verfügt? Allein schon diese Fragen zeigen, wie schwer es bei weiteren Treffen sein wird, wirkliche Fortschritte zu erzielen, die über diplomatische Floskeln hinausgehen.

nachrichten.red@volksfreund.de