Ein Gotteshaus für zwei Konfessionen: Trierer Superintendent Jörg Weber für gemeinsame Kirche

Ein Gotteshaus für zwei Konfessionen: Trierer Superintendent Jörg Weber für gemeinsame Kirche

Gemeinde- oder Gotteshäuser, die von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt werden? Noch ist das - von Ausnahmen abgesehen - Zukunftsmusik. Aber nicht mehr lange, glaubt der Trierer Superintendent Jörg Weber

Trier. Sinkende Gläubigenzahlen und zurückgehende Einnahmen machen nicht nur der katholischen Kirche zu schaffen. Auf ihrer Landessynode in Bad Neuenahr beschäftigt sich noch bis Freitag auch die Evangelische Kirche im Rheinland mit den knapper werdenden Ressourcen. Bis 2018 soll der Landeskirchenhaushalt um 20 Millionen Euro gekürzt werden, heißt: Mehr als jeder dritte Euro an Ausgaben muss gestrichen werden.

Zur Evangelischen Landeskirche gehört auch der Kirchenkreis Trier, der die komplette Region umfasst. Mit 56 500 Gläubigen eine Diasporasituation, "aber eine relativ stabile", sagt Super intendent Jörg Weber, der seit zwei Jahren an der Spitze des Kirchenkreises steht. Weber sagt, die Einsparungen seien hart, sie böten aber Chancen und schafften neue Freiräume. "Es war doch erkennbar, dass wir über unsere Verhältnisse gelebt haben."

Die möglichen Auswirkungen auf den Kirchenkreis Trier halten sich nach Angaben des Superintendenten in Grenzen. Wenn es zu Kürzungen des Arbeitslosenfonds komme, könne das vom Diakonischen Werk getragene Integrationshotel am Trierer Bahnhof betroffen sein.

Bei den Protestanten gehen die Kirchensteuereinnahmen - anders als bei den Katholiken - an die jeweiligen Gemeinden. Die 20 Gemeinden im Kirchenkreis Trier wiederum zahlen Umlagen an den Kirchenkreis und die Landeskirche. Unterm Strich bleibt laut Jörg Weber aber ein Großteil der Kirchensteuer in der jeweiligen Gemeinde. Weil im Zuständigkeitsbereich des Superintendenten die Gläubigenzahlen derzeit konstant sind, fließt auch die Kirchensteuer. Noch. Denn es ist absehbar, dass das nicht so bleiben wird. Wie bei den Katholiken werden die Gläubigenzahlen und damit auch die Kirchensteuereinnahmen abnehmen. Und dann?

Der Präses der Landeskirche, Manfred Rekowski, sieht in dem Veränderungsprozess eine "ökumenische Chance", wie er am Montag in seinem Bericht vor den 213 Abgeordneten der Synode sagte. Der Trierer Superintendent Jörg Weber hält gemeinsame Gemeindehäuser, Büros und sogar Kirchen für denkbar - nicht irgendwann, sondern schon in fünf bis zehn Jahren, wie Weber am Montag unserer Zeitung sagte: "Wir werden in ein paar Jahren nicht mehr die Kirche haben wie heute."

Worte, die so ähnlich auch schon von Triers Bischof Stephan Ackermann zu hören waren. Sein Weihbischof Helmut Dieser wagte in einem Grußwort auf der Bad Neuenahrer Landessynode die Prognose: Die in 500 Jahren gewachsenen evangelischen und katholischen Gestalten von Kirche "kommen noch in unseren Tagen, spätestens in den Tagen der nach uns wirkenden Generation ans Ende".

Eine bemerkenswerte These, wenn auch von Dieser etwas verquast formuliert. Liegt tatsächlich in der Krise eine Chance, dass die Jahrhunderte alte Spaltung der Christen schon bald überwunden werden könnte? 2017 ist es 500 Jahre her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Kirchentür geschlagen haben soll. Ein guter Zeitpunkt, um von den Gemeinden an der Basis zu lernen, meinte Präses Rekowski am Montag.Extra

Ökumene ist die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen. Seit fast vier Jahrzehnten bemühen sich vor allem die evangelische und die katholische Kirche um Ökumene, die Einheit aller in Konfessionen getrennten Christen. Zwischen Katholiken und Protestanten sind zwei Streitpunkte von großer Bedeutung. Zum einen geht es um die Eucharistiefeier. Die katholische Kirche lässt weder zu, dass ihre Mitglieder am evangelischen Abendmahl teilnehmen, noch, dass evangelische Christen in der katholischen Kirche zur Kommunion gehen. Außerdem ist der Vatikan bislang nicht bereit, die evangelische Kirche formell anzuerkennen. sey