Ein gutes Jahr

Seit Jahren gab der Jahreswechsel nicht mehr so viel Anlass zu Optimismus wie dieses Mal. Die Deutschen spüren neue Konsumlust, sagen die Marktforscher und die Verbände rechnen in diesem Jahr mit einem deutlichen Anspringen der Konjunktur.

Kein Grund also, die hier zu Lande so beliebten Jammerlieder anzustimmen, im Gegenteil. Die Chancen auf einen nachhaltigen Aufschwung waren selten so gut wie jetzt. Das hat natürlich auch mit der immer noch gut laufenden Weltkonjunktur zu tun, mit hervorragenden Exportergebnissen, aber es liegt auch an der großen Koalition in Berlin. Immer mehr Menschen erkennen, welche Chancen eine derart breit aufgestellte politische Mehrheit für die Lösung der strukturellen Probleme bietet. Vieles ist plötzlich möglich, was vor der Bundestagswahl im politischen Gezerre zwischen Bundestag und Bundesrat unterging. Es keimt wieder Hoffnung. Endlich, ist man versucht zu sagen. Hoffnung auf wegweisende politische Entscheidungen, aber auch Hoffnung darauf, dass der Standort Deutschland eine Zukunft hat, dass er besser ist als sein Ruf. Darauf, dass die allermeisten Wirtschaftsbosse damit aufhören, ihre Mitarbeiter ausschließlich in die Kategorie Kostenfaktor einzusortieren. Hoffnung darauf, dass die Politik endlich die Rahmenbedingungen setzt, die die Unternehmen und Gewerkschaften brauchen, um den Ruck nach vorn zu schaffen. Bundespräsident Horst Köhler hat dazu viele bemerkenswerte Dinge gesagt. Die auch etwas damit zu tun haben, dass es fair zugehen muss im Spiel der Kräfte. Er hat aber auch davon gesprochen, dass wir alle Optimismus brauchen in diesem besonderen WM-Jahr, in dem die Welt bei uns zu Gast sein wird. Es gibt viele gute Gründe für mehr Mut und weniger Verzagtheit. Und für den festen Glauben daran, dass es ein gutes Jahr für dieses Land und seine Menschen werden wird. Die Wirtschaftsdaten jedenfalls sprechen dafür. d.schwickerath@volksfreund.de