Ein Mann braucht das nicht

Das unnötigste Accessoire aller Zeiten kehrt zurück: die Herrenhandtasche. Gab es wirklich in grauer Vorzeit (70er-Jahre) einmal so etwas für Männer? Ich erinnere mich dunkel an die Familienfotos, als mein Vater stolz im Italienurlaub vor dem Colosseum posiert hat und an seiner Hand ein merkwürdig aussehendes Kunstlederteil mit Handriemchen baumelte.

Diese modische Verirrung ist allerdings nicht ohne Grund ausgestorben und die Wiederbelebungsversuche einiger Modedesigner gleichen einem Frevel an der Natur. Ein Mann braucht kein Handtasche. Ein Mann trägt seine Habseligkeiten offen mit sich herum, damit er sie schnell greifen kann. Das war schon in der Steinzeit so. Hätten wir bei der Mammut-Jagd erst umständlich lange in unserer Fellhandtasche nach dem Stein und dem Speer kramen müssen, wir wären heute ausgestorben. Wir waren Jäger, keine Sammler. Gesammelt haben die Frauen. Waren es früher Obst und Gemüse, sind es heute drei Lippenstifte, zwei Geldbeutel (einer für das gemeinsame Konto), vier Packungen Taschentücher, eine Ersatzstrumpfhose, ein Molke-Wellness-Drink, das komplette Schminkset, der abgebrochene Absatz vom Manolo-Blahnik-Schuh und für alle Fälle ein Schraubenzieher. Und das ist nur die Hälfte des Inhalts einer Damenhandtasche. Männer tragen so etwas aber nicht bei sich. Also brauchen sie auch keine Handtasche. Männer haben allerhöchstens zwei Handys, einen Geldbeutel mit viel Kleingeld (der die Hosentasche am Hintern immer so vorteilhaft ausbeult), zwei gebrauchte Taschentücher, einen Schlüsselbund mit 24 Schlüsseln, einen Flaschenöffner, das Bedienteil vom Autoradio und für alle Fälle ein Schweizer Messer (mit 102 Funktionen und eingebautem Radio) dabei. Also nur das Nötigste. Warum sollten Männer eine Handtasche brauchen? a.houben@volksfreund.de

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