1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Ein Porträt aus dem Repair-Café.

Geld-Serie : Von der Magie des Reparierens

Im Repair-Café in Trier erleben Helfer und Besucher Erstaunliches. Der Tüftler, die Hobbynäherin und die Geschäftsführerin erzählen.

Mechthild Wollscheid lebt nach dem Motto: Man sollte nichts schnell wegwerfen. Als ihr Laptop sich nicht mehr mit dem Internet verbindet, macht sie sich von Hermeskeil auf nach Trier. Die 68-Jährige hofft auf das Können im Repair-Café im Jugendzentrum Mergenerhof, Stadtmitte, Rindertanzstraße. Sie war schon mehrmals dort: Einmal um ihr 45 Jahre altes Bügeleisen reparieren zu lassen – mit Erfolg.

Während sie dem Tüftler dabei zuschaut, wie er ihren Laptop wieder flott macht, schmökern andere Besucher in „Do it yourself“-Büchern oder essen selbst gebackenen Kuchen. Eine Frau ruft: „Ist jemand hier, der nähen kann?“ „Ja“, sagt Wollscheid. Wenig später sitzt die Hobbynäherin an der Maschine und ersetzt den Reißverschluss an einem Kinderanorak. „Nachher waren wir alle froh“, sagt die Hochwälderin. „Die Mutter, der kleine Junge, und ich, weil ich es geschafft hatte.“ Sie erzählt gerne von diesem Besuch im Repair-Café – kurz vor der Pandemie. Der erste und zweite Lockdown haben das Projekt lahmgelegt. Doch ihr Besuch war nachhaltig: Sie hat seitdem viele Gesichtsmasken genäht und wird philosophisch: „Mir ist nochmal bewusst geworden, dass wir hier auf der Welt sind, um etwas mit unseren Talenten zu machen.“

Das Repair-Café sei keine Einrichtung, sondern eine Veranstaltung, betont Sophie Lungershausen, Geschäftsführerin der Lokalen Agenda 21 Trier. Die Lokale Agenda hatte sich 2013 mit Transition Trier, dem Mergener Hof und dem Maschinendeck e.V. zusammengetan, um die aus Amsterdam stammende Idee dieses besonderen Cafés in Trier zu organisieren – gegen eine Wegwerfmentalität, gegen noch mehr Müll, gegen Obsoleszenzen. „Das sind in Produkte eingebaute Sollbruchstellen, die Geräte nach einiger Zeit unbrauchbar machen und zum Neukauf verleiten sollen”, erklärt Lungershausen. Das Repair-Café sei sozial, ökologisch und „es menschelt sehr“.

Ein harter Kern aus zehn Ehrenamtlichen repariert kaputte Gegenstände, gibt den Besuchern Tipps zum Selbermachen. Auch Stephan Mayer. Seine Passion zeichnete sich früh ab. Während andere Kinder mit vier Jahren erst mal Fahrrad fahren lernen, wusste er in diesem Alter schon, wie man einen defekten Fahrradschlauch repariert. Als Jugendlicher hat er weggeworfene Fahrräder wieder fahrtüchtig gemacht. So erzählt er es heute, Jahrzehnte später. „Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die kaputt sind“, sagt er. Oder in defekt geglaubten Staubsaugern seien Beutel und Filter voll.

Besonders gerne denkt er an einen Kuckuck, der sich in der Kuckucksuhr versteckt hatte, an das Strahlen eines kleinen Jungen, als sein ferngesteuertes Auto wieder fuhr und an ein hundert Jahre altes Grammophon. „Viele alte Damen kommen mit ihrem Mixer oder dem Toaster“, sagt Mayer. Seit fünf Jahren tüftelt er so oft er kann aus Überzeugung im Repair-Café. „Jeder sollte etwas für Nachhaltigkeit und die Umwelt tun“, sagt Mayer. „Bitte, nicht alles so schnell wegwerfen.“ Das Schönste sei: „Die Leute gehen glücklich wieder raus.“

Und der Besuch tut dem Geldbeutel nicht weh. Wer spenden möchte, kann spenden. Wer weiß, welches Ersatzteil notwendig ist, sollte es mitbringen oder es kann günstig erworben werden. Ein Grundstock ist da, auch an Werkzeugen. „Vielseitiger” steht auf Stefan Mayers T-Shirt. Vielseitig ist auch das Repair-Café: Egal ob Fahrräder, Computer, Möbel, Textilien, Elektrogeräte (bis auf Großgeräte) oder Spielzeug. Die Ehrenamtlichen hauchen den kaputten Dingen wieder Leben ein. So steht es auf der Internetseite der Veranstaltung, die in der Regel einmal im Monat von 11 bis 15 Uhr stattfindet (https://repaircafe-trier.de). Sie alle warten darauf, dass es wieder losgehen kann: die Hobbynäherin, der Tüftler und die Geschäftsführerin, die oft ehrenamtlich am Empfang hilft.