Ein Rückschlag

Die jüngsten Zahlen aus dem Irak müssen erschüttern: 3709 Zivilisten seien allein im Oktober eines gewaltsamen Todes gestorben, meldeten gestern die Vereinten Nationen - das sind im Schnitt 120 Menschen pro Tag.

Wenn in der kommenden Woche US-Präsident George W. Bush erneut mit dem irakischen Ministerpräsident al-Maliki zusammentrifft, geht es deshalb vor allem um eine Frage: Wie kann dieser hohe Blutzoll eingedämmt werden, wie eine Ausweitung der bürgerkriegsähnlichen, ethnisch motivierten Morde und Attentate verhindert werden? Die Ermordung des libanesischen Kabinettsministers Gemayel wird die Suche nach einem Weg zur Befriedung des Irak ebenfalls negativ beeinflussen. In Washington hat man zwar erkannt, dass ein Jonglieren mit der Truppenstärke - kurzfristig zumindest dürfte das US-Kontingent deutlich erhöht werden, um die Ruhe wieder herzustellen - allein wohl keinen Durchbruch bringt. Deshalb häuften sich zuletzt auch die Stimmen, die eine Integration der regionalen Nachbarn Syrien und Iran in eine Friedenslösung forderten. Doch Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser "Schurkenstaaten", an einem beruhigten Irak wirklich interessiert zu sein, werden von Experten immer wieder artikuliert. Seit Dienstag nun ist diese Skepsis noch gewachsen: Denn Bush mahnte sowohl den Iran wie auch Syrien verbal wegen der Vorgänge im Libanon ab - und dürfte keine große Lust verspüren, sich von diesen Ländern in einem "Gegengeschäft" Zugeständnisse abhandeln zu lassen, wenn es um die wichtige Frage der Begrenzung des Zustroms von Extremisten in den Irak geht. Hohe Erwartungen sollte man deshalb nicht an ein Treffen der irakischen Spitze mit dem Iran oder mit Syrien knüpfen: Beide Staaten bevorzugten bisher bei allen Konflikten, viel zu reden, aber nicht im Sinne westlicher Interessen zu handeln. nachrichten.red@volksfreund.de