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"Ein schönes Amt, besonders in Krisenzeiten"

"Ein schönes Amt, besonders in Krisenzeiten"

Schluss mit den Personalquerelen, zurück zur Sachpolitik! Das fordert der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Volker Wissing (41/Foto: dpa) nach dem Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner.

Trier. Mit dem rheinland-pfälzischen FDP-Landeschef sprach unser Redakteur Rolf Seydewitz.

Wie sehr hat Sie der Rücktritt des FDP-Generals überrascht?
Wissing: Ich habe damit nicht gerechnet. Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, die Herr Lindner offenbar spontan getroffen hat. Er hat eine Erklärung dazu abgegeben …
… eine sehr dünne …
Wissing: Mehr wollte er offenbar dazu nicht sagen. Fest steht, dass wir mit Respekt vor seiner Arbeit jetzt zur Personallösung übergehen müssen. Entscheidend ist, dass die FDP aufhört, sich mit eigenen Personalfragen zu beschäftigen. Wir müssen uns mit Sachfragen befassen und den Wähler mit Inhalten überzeugen.
Sie bekunden Respekt, andere in der FDP-Führungsriege reden von Fahnenflucht; Lindner bereite ein Comeback als Parteichef vor.
Wissing: Ich halte von solchen Unterstellungen gar nichts. Es gibt dafür keinen Anhaltspunkt. Keine Frage, dass Christian Lindner weiter eine wichtige Rolle bei den Liberalen spielen wird. Er ist ein politisches Talent. Wir müssen jetzt eine Personalfrage klären - und das werden wir tun.
Ihr Kieler Parteifreund Kubicki spricht von einer Führungskrise der Partei. Wovon sprechen Sie?
Wissing: Wir haben eine Personalie zu klären, mehr nicht. Man kann Krisen auch herbeireden.
Inwiefern ist der Lindner-Rücktritt auch eine Schlappe für Ihren Parteichef Philipp Rösler?
Wissing: Christian Lindner hat seinen Rücktritt ja ausdrücklich nicht mit einer Kritik am Parteivorsitzenden verbunden. Insofern besteht da kein Zusammenhang. Philipp Rösler muss jetzt die offene Personalfrage klären. Die FDP verfügt über ein breites Personaltableau…
Das behauptet jede Partei …
Wissing: Die Entscheidung ist eine sehr persönliche des Parteivorsitzenden. (Das Interview wurde am Nachmittag geführt. Am Abend wurde bekannt, dass Patrick Döring - siehe Artikel unten - neuer Generalsekretär werden soll.)
Lindner sagt, er wolle eine neue Dynamik in der Partei ermöglichen. Wie soll die aussehen?
Wissing: Das hängt von der Person des neuen Generalsekretärs ab. Es ist ein schönes Amt mit großen Herausforderungen, gerade in Krisenzeiten. Als FDP-Landesvorsitzender weiß ich, wovon ich rede.
Zählt zur neuen Dynamik auch ein Comeback von alten Fahrensleuten wie Rainer Brüderle?
Wissing: Ich habe Rainer Brüderle immer hoch geachtet und geschätzt. Als FDP-Fraktionschef ist er eine herausragende Persönlichkeit, die uns hilft, Stabilität in diese schwierige Phase für die FDP zu bringen.
Stichwort schwierige Phase: War der Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm ein Fehler?
Wissing: Da ruhen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits ist es ein gutes Instrument, die Basis zu beteiligen. Andererseits ist es Aufgabe einer Regierungspartei, in einer Krisensituation schnell handlungsfähig zu sein. Wir stiften zudem Verwirrung, weil wir beim Thema Euro-Stabilisierung als Partei mit zwei Meinungen wahrgenommen werden.
Ihr Erfolg als FDP-Landeschef hält sich bislang auch in Grenzen. Ihre Partei dümpelt bei drei Prozent herum. Wer ist schuld?
Wissing: So lange das Vertrauen in die FDP auf Bundesebene nicht zurückgekehrt ist, kann man auf Landesebene keine Wunder erwarten. Bei der nächsten Landtagswahl ist mit uns jedenfalls wieder zu rechnen. sey