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Ein Staatsoberhaupt zum Anfassen

Ein Staatsoberhaupt zum Anfassen

Bundespräsident Christian Wulff hat sich gestern bei seinem Besuch in Bitburg Zeit für Gespräche mit Bürgern und jungen Fußballfans genommen. Zusammen mit seiner Frau Bettina ist er beim Trainingsauftakt der Frauennationalmannschaft gewesen und trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

Bitburg. Felix Winandy hat keine Angst. Ohne Scheu geht der Elfjährige aus Neuerburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm) als Erster auf das Staatsoberhaupt zu, als dieser sich - außerhalb des offiziellen Protokolls - mit seiner Frau Bettina, DFB-Präsident Theo Zwanziger und dem rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch auf die Tribüne des Fußballplatzes der Bitburger Sportschule setzt. Fast eine Stunde verfolgen sie den Trainingsauftakt der Frauennationalmannschaft. Zumindest versuchen sie es. Denn ständig sind sie umringt von überwiegend jungen Fußballfans wie Felix. Er bittet Wulff um ein Autogramm. Und er fragt ihn, für welche Bundesligamannschaft er schwärmt. "Gladbach", antwortet der Bundespräsident und unterhält sich mit dem jungen Fußballfan. Ein Bundespräsident zum Anfassen. Bereitwillig unterschreibt er auf den Schweinsteiger-, Özil- und anderen Trikots der (Männer)-Nationalmannschaft, die die jugendlichen Fans tragen. Ein Arzt aus dem Bitburger Krankenhaus nutzt die Gelegenheit und klagt beim Bundespräsidenten über den "katastrophalen" Ärztemangel in seinem Haus und wie schwierig es sei, deutsche Mediziner zu bekommen. Wulff zeigt Verständnis. Eine angehende Politikstudentin aus der Eifel spricht Wulff an und fragt, ob sie ein Praktikum im Bundespräsidialamt machen kann. Sie soll einen Brief schreiben und auf das "ausführliche" Gespräch mit ihm in Bitburg verweisen. Wulff und seine Frau geben sich leger. Nicht nur im Umgang mit den Bürgern. Der Bundespräsident hat für den Besuch der Nationalmannschaft seine Krawatte abgelegt (später beim Empfang in der Bitburger Stadthalle trägt er sie wieder). Seine Frau kommt ebenfalls ganz "unstaatsmännisch" in beigem Pulli, dunkelblauer Jeans und sportlich-lässigen Schuhen.

Es sei schon außergewöhnlich, meint der Bundespräsident schmunzelnd, dass innerhalb von etwas mehr als einem Jahr sich zum zweiten Mal ein Bundespräsident in das Goldene Buch der Stadt eintrage. Er spielt damit auf den Besuch seines Vorgängers Horst Köhler im Februar vergangenen Jahres in der Bierstadt an. Drei Monate später verkündete dieser seinen Rücktritt. Das habe er nicht vor, sagt Wulff lachend. Er lobt die guten nachbarschaftlichen Beziehungen der Region zu Luxemburg und Frankreich und bezeichnet Bitburg als europäische Musterstadt. wie

Entspannter Blitzbesuch in der Bierstadt