Ein voll besetzes Kandidaten-Karussell

Die Riege möglicher Beck-Nachfolger bei einem Wechsel nach Berlin wächst: Zur Ehre eines ausdrücklichen Lobes des Ministerpräsidenten beim Landesfest in Berlin kam überraschend Innen-Staatssekretär Roger Lewentz. Beck heizt damit Spekulationen an, die es in der Partei offiziell gar nicht gibt.

 Die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge: Doris Ahnen, Karl Peter Bruch, Jochen Hartloff, Hendrik Hering und Roger Lewentz. Fotos: dpa (4)/TV-Archiv/Hermann Pütz (1)

Die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge: Doris Ahnen, Karl Peter Bruch, Jochen Hartloff, Hendrik Hering und Roger Lewentz. Fotos: dpa (4)/TV-Archiv/Hermann Pütz (1)

Berlin/Mainz. Während sich bei der berühmten Geschichte von den zehn kleinen Negerlein die Reihen mit der Zeit zusehends lichten, wächst offenbar bei der Landes-SPD kontinuierlich die Palette junger Politiker mit Aufstiegsperspektiven bis an die Spitze der Staatskanzlei. Noch ist keineswegs sicher, dass SPD-Parteichef Kurt Beck auch Kanzlerkandidat wird und dann nach der Bundestagswahl 2009 an die Spree wechselt, selbst wenn viele Spitzengenossen im Land davon ausgehen.Beim Rheinland-Pfalz-Fest stellte der Ministerpräsident vor hunderten hochkarätigen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien in seiner Begrüßungsrede ausdrücklich Roger Lewentz vor, "ein junger Staatssekretär, der noch eine große Karriere vor sich hat." Beobachter werten dies als öffentliches Indiz dafür, dass Beck nun auch den 44-jährigen früheren SPD-Generalsekretär aus dem Rhein-Lahn-Kreis zur Riege seiner potenziellen Nachfolger in Mainz zählt. Als Anwärter wurden bislang Innenminister Karl Peter Bruch (60), Wirtschaftsminister Hendrik Hering (43), ein Schwager von Lewentz, und Bildungsministerin Doris Ahnen (42) gehandelt. Auch SPD-Fraktionschef Jochen Hartloff (52) werden Ambitionen nachgesagt, sollte es Beck Richtung Reichstag ziehen. Als ein Signal für die Kronprinzenrolle wurde vor allem die überraschende Ernennung Herings vor einem Jahr zum Superminister angesehen.Der SPD-Vormann sprach im Nachhinein zu seiner auch von einigen Parteifreunden aufmerksam registrierten Berliner Bemerkung von einer "spontanen" Äußerung, hob aber auch gleichzeitig Lewentz' Karrierechancen im Land und in der Partei hervor. Beck-Kenner können sich kaum vorstellen, dass ein solcher Ritterschlag vor einem derart prominenten Forum ohne Hintersinn oder unbedacht gemacht wurde - der gar als eher launige Bemerkung auf ein voreiliges Klatschen einzustufen sei. Nicht auszuschließen, dass der Regierungschef mit dem Halbsatz durchaus ein Signal in Richtung ambitionierte Anwärter und Partei geben wollte nach dem Motto: "Vieles ist möglich - und ich gebe den Takt vor."Lewentz selbst will "die netten Worte" seines Chefs nicht überbewertet wissen und winkt bei Interpretationen gleich ab. Er habe als Staatssekretär und Vorsitzender des Parteirates zwei tolle Ämter und strebe sonst auch keines an, lässt der Mann wissen, der als Generalsekretär jahrelang engster Mitarbeiter des Landesparteivorsitzenden war. Und was möglicherweise im Spätsommer 2009 anstehe, sei ohnehin aktuell weder Thema noch diskussionswürdig.Bei der CDU-Spitze hat man den Innen-Staatssekretär schon länger auf der Liste möglicher Beck-Nachfolger. Lewentz komme Beck von der Art her am nächsten, heißt es dort. Zudem werden Wahlen auch aus Sicht der Opposition "bei der Feuerwehr und den Vereinen gewonnen". Ein Feld, das der frühere Ortsbürgermeister auch im jetzigen Amt mit Verve beackert."Man kann nie genug gute Kandidaten haben", kommentiert SPD-Fraktionschef Hartloff die zunehmende Enge auf dem Kandidatenkarussell. Dass er allein durch sein Amt mit zur Riege zählt, daraus macht er keinen Hehl. Der Jurist aus Kusel ist vor allem gespannt, wer im Laufe der Zeit noch zu den potentiellen Nachfolge-Anwärtern dazustößt.