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Ein wenig Schutz für die Schutzlosen

Der Trierer Salesianerbruder Lothar Wagner kümmert sich in Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt, um Straßenkinder. Foto: TV-Archiv
Der Trierer Salesianerbruder Lothar Wagner kümmert sich in Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt, um Straßenkinder. Foto: TV-Archiv
Trier/Freetown. Ein Ordensmann aus der Nähe von Trier kümmert sich seit Jahren in einem der ärmsten afrikanischen Länder um Straßenkinder. Der Salesianerbruder Lothar Wagner wirft Regierung und Polizei von Sierra Leone vor, nichts zum Schutz der Kinder zu tun. Rolf Seydewitz

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone ist zwar lange vorbei. Doch die Auswirkungen sind noch allgegenwärtig. Der rohstoffreiche Staat gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Besonders schlimm ist die Situation der Kinder: Nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef stirbt jedes sechste Kind noch vor seinem fünften Geburtstag, oft wegen Unterernährung oder der schlechten medizinischen Versorgung. Eine Schulpflicht gibt es nicht, zwei Drittel der Kinder sind Analphabeten.

Die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos (siehe Stichwort) ist seit 17 Jahren in Sierra Leone engagiert, kümmert sich vor allem in der Hauptstadt Freetown um jene Kinder und Jugendlichen, die ohne fremde Hilfe keine Chance auf eine Schul- und Berufsausbildung haben.

Der aus Aach bei Trier stammende Salesianer Lothar Wagner leitet in Freetown ein Zentrum für Straßenkinder. Der Eindruck des Ordensbruders: "Die Gewalt im Land, vor allem gegen Mädchen, nimmt drastisch zu." Unschuldige Kinder würden in Gefängnisse gesteckt, Mädchen vergewaltigt, ohne dass die Täter zur Rechenschaft gezogen würden, kritisiert Wagner. Regierung und Polizei zeichneten sich durch Untätigkeit aus, obwohl die Täter häufig bekannt seien.

Vor zwei Jahren wurde der Salesianer selbst Opfer einer Attacke. Täter war der Onkel eines sechsjährigen Kindes, das nach gewalttätigen Übergriffen des Verwandten in dem Mädchenhaus der Salesianer Zuflucht gefunden hatte. Lothar Wagner wurde durch einen Messerstich in den Unterleib verletzt. "Die Wunde ist gut verheilt, aber der Anschlag hat mich verändert", sagt der 39-Jährige. "Ich bin etwas nachdenklicher geworden, keineswegs zurückhaltender."

Neuestes Projekt der Ordensgemeinschaft in Sierra Leone ist ein Jugendzentrum im Zentralgefängnis von Freetown. Das Gefängnis wurde einst für 300 Gefangene erbaut; inzwischen sind über 1500 Gefangene dort untergebracht, darunter 450 Minderjährige. "Die Bedingungen sind schlecht und grausam", sagt Lothar Wagner.

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die medizinische Versorgung seien katastrophal. Es gebe keine Betten, keine Matratzen und auch keine sanitären Einrichtungen. Das wollen die Salesianer ändern. Unter ihrer Federführung bekommt das Zentralgefängnis jetzt sanitäre Anlagen und eine Wasserversorgung für 1500 Gefangene.

Anfang September öffnet das neue Jugendzentrum im Gefängnis, in dem sich fünf Sozialarbeiter und Pädagogen um Beratung, Rehabilitation und Reintegration der Knastkinder kümmern.

Das Bayerische Fernsehen sendet am Sonntag, 18. August, um 10.40 Uhr einen 45-minütigen Film über den Trierer Ordensmann Lothar Wagner und seinen Kampf gegen den Kinderhandel in Westafrika. Der Film trägt den Titel "Lothar läuft" - in Anlehnung an das Hobby des 39-jährigen Salesianers.Extra

Die 1859 gegründeten Salesianer Don Boscos sind die zweitgrößte katholische Ordensgemeinschaft der Welt. Ordensgründer war der 1815 in der Nähe von Turin geborene und später selig- und heiliggesprochene italienische Priester Giovanni Bosco. Der Grundgedanke der von Don Bosco formulierten Pädagogik war: "Nicht mit Schlägen, sondern mit Güte wirst du Kinder und Jugendliche zu Freunden gewinnen." Ein für die damalige Zeit geradezu revolutionärer Ansatz. In Deutschland hat der Orden 34 Niederlassungen. In der Region Trier sind das das Jugendwerk Don Bosco in Trier, das Jugendhilfezentrum Helenenberg und die Jugendbildungsstätte in Jünkerath.sey