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Ein "Wunschkandidat" für die Fraktionsspitze

Ein "Wunschkandidat" für die Fraktionsspitze

BERLIN. Wenn der kleine Parteitag der CDU heute Volker Kauder zum neuen Generalsekretär ausruft, werden auch die Spekulationen um seine Nachfolge als Parlamentarischer Geschäftsführer verstummt sein. Angela Merkels künftiger Mann an der Fraktionsspitze heißt Norbert Röttgen.

Der Personalie Röttgen war ein zähes Ringen um die Besetzung des wichtigsten Organisations-Postens im Fraktionsbetrieb vorausgegangen. Parallel dazu keimten auch wieder Zweifel an Merkels Führungsqualitäten. Zeitweilig schien es sogar so, als würde die Partei- und Fraktionsvorsitzende einer Entscheidung ausweichen und Kauder neben seinem künftigen Generalsjob die Funktion des "PGF" für eine längere Übergangszeit behalten. Denn immer wenn neue Namen auftauchten, wurden sie vom Personalkarussell auch schnell wieder aus der Kurve getragen. Merkel brauchte unbedingt einen Nordrhein-Westfalen, nachdem der wichtigste Landesverband mit Hermann-Josef Arentz und Laurenz Meyer (stolperten über Nebeneinkünfte) sowie Friedrich Merz (trat wegen Merkel als Fraktionsvize ab) gleich mehrere Führungsposten eingebüßt hatte. Vor diesem Hintergrund ist Norbert Röttgen (39) fast schon eine Idealbesetzung. Der sympathische Rheinländer verkörpert nicht nur den Anspruch einer "jungen CDU", er besitzt auch das Vertrauen Merkels. Und das will bei der notorisch misstrauischen Ostdeutschen schon viel heißen. Merkel selbst soll Röttgen zuletzt als "Wunschkandidaten" bezeichnet haben. Der verheiratete Vater dreier Kinder kam 1994 als direkt gewählter Abgeordneter für den Rhein-Sieg-Kreis II in den Bundestag. Dort sorgte er schon bald als Mitautor eines Positionspapiers zur Modernisierung des Staatsbürgerschaftsrechts für Furore. "Junge Wilde" wurden die Abweichler von der offiziellen Unionslinie damals genannt. Aber das ist lange vorbei. Parteifreunde schätzen ihn als ruhigen und bedachten Menschen, der komplizierte Zusammenhänge verständlich zu erklären vermag.