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Eine Ära geht zu Ende: Kubas Revolutionsführer Fidel Castro ist tot

Eine Ära geht zu Ende: Kubas Revolutionsführer Fidel Castro ist tot

Er war einer der großen Revolutionäre des 20. Jahrhunderts - tief verehrt von den einen, gehasst von den anderen. Er trotzte zehn US-Präsidenten und überlebte angeblich mehr als 600 Mordanschläge. Jetzt ist der „Máximo Líder“ im Alter von 90 Jahren gestorben.

Havanna (dpa) - Kubas früherer Präsident Fidel Castro ist tot. Der Revolutionsführer, der die sozialistische Karibikinsel 47 Jahre lang regierte, starb am Freitagabend im Alter von 90 Jahren, wie sein Bruder und Staatspräsident Raúl Castro im staatlichen Fernsehen sagte. Seine kurze Ansprache schloss er mit dem Schlachtruf der kubanischen Revolutionäre: „Hasta la victoria siempre“ (Immer bis zum Sieg).

Castro trotzte während seiner Regierungszeit zehn US-Präsidenten. Wegen einer schweren Krankheit zog er sich 2006 aus der aktiven Politik zurück. Die vorsichtige Annäherung an der einstigen Erzfeind USA sah er zwar kritisch, aber er ließ seinen Bruder und Nachfolger Raúl Castro gewähren.

International wurde Fidel Castro als „Figur von historischer Bedeutung“ und Symbol einer ganzen Ära gewürdigt. Die Präsidenten Kubas linker Verbündeter wie Venezuela, Ecuador, El Salvador und Nicaragua beklagten den Tod des Revolutionsführers. Selbst Papst Franziskus schickte ein Kondolenz-Schreiben nach Havanna.
Allerdings war Castro auch ein Diktator, der Oppositionelle unterdrücken und hinrichten ließ. Meinungsfreiheit und Pluralismus gibt es auf der sozialistischen Karibikinsel bis heute nicht.

Vor allem in den USA bejubelten viele Exil-Kubaner die Nachricht von Castros Tod. In Miami im Bundesstaat Florida versammelten sie sich in der Nacht zum Samstag auf den Straßen, schwenkten kubanische Flaggen und skandierten: „Er ist gestorben.“

In Kuba sind inzwischen die Vorbereitungen für die Bestattung Castros angelaufen. Die Leiche des „Máximo Líder“ soll auf Wunsch von Fidel Catro verbrannt werden. Der kubanische Staatsrat ordnete bis zum 4. Dezember Staatstrauer an, wie die Zeitung „Juventud Rebelde“ am Samstag online berichtete.

Die sterblichen Überreste Castros sollen zunächst am Montag und Dienstag zum monumentalen Denkmal für den Nationalhelden José Martí in Havanna gebracht werden. Dort können die Kubaner Abschied von Fidel Castro nehmen. In Havanna soll am Dienstag dazu auch eine Massenkundgebung auf dem Revolutionsplatz stattfinden.
Anschließend wird die Urne mit der Asche in einem viertägigen Trauerzug über verschiedene Ortschaften zur 900 Kilometer von Havanna entfernten Stadt Santiago de Cuba gebracht. Am Sonntag, dem neunten Tag der Staatstrauer, soll Castro dort auf dem Friedhof Santa Ifigenia beigesetzt werden.

Geboren wurde Castro am 13. August 1926 in Biran im Osten Kubas. Schon als Kind empfand er die sozialen Verhältnisse auf der Insel als zutiefst ungerecht. Als junger Rechtsanwalt nahm er den Kampf gegen den Diktator Fulgencio Batista auf. Nach dem gescheiterten Überfall auf die Moncada-Kaserne 1953 und einigen Jahren im Exil landete er Ende 1956 mit rund 80 Mitkämpfern auf Kuba und begann in den Bergen den Guerillakampf. Im Januar 1959 zogen seine Truppen siegreich in Havanna ein.

Mit einer Landreform und der Verstaatlichung von Unternehmen machte sich Castro schnell die USA zum Feind, die die Insel mit einem Handelsembargo belegten. Hilfe fand Kuba bei der Sowjetunion. Der Zusammenbruch des Ostblocks stürzte Kuba nach 1990 in eine schwere Wirtschaftskrise.

Fidel und sein Bruder Raúl Castro rangen sich zu begrenzten marktwirtschaftlichen Reformen durch, hielten jedoch am Einparteisystem und an der strengen Pressezensur fest. Mit seiner Unbeugsamkeit gegenüber Washington fand Castro aber in Lateinamerika auch über das linke Lager hinaus Anerkennung.

«Ich werde 100 Jahre weinen» - Bestürzung über Castros Tod in Kuba

Nach Castro-Tod: Zusammenstöße vor kubanischer Botschaft in Madrid

Madrid (dpa) - Nach dem Tod von Fidel Castro haben sich Anhänger und Gegner des kubanischen Revolutionsführers in Madrid verbale und auch gewaltsame Auseinandersetzungen geliefert. Die Zusammenstöße ereigneten sich am Samstag bei Kundgebungen von „Castristas“ und „Anticastristas“ vor der kubanischen Botschaft in der spanischen Hauptstadt. Die Polizei musste eingreifen und die beiden Seiten auseinandertreiben. Nach Medieninformationen wurde niemand ernsthaft verletzt.

Vor der Botschaft demonstrierten nach Medienschätzungen bei strömendem Regen rund 150 Anhänger Castros und nur ein gutes Dutzend Gegner des kubanischen Regimes, das seit 2008 von Fidels Bruder Raúl angeführt wird.
Der Präsident der vor allem von Exilkubanern gebildeten Organisation „Plattform Kuba Demokratie Sofort“, Yuniel Jacomino, hatte Sekt dabei, um - wie er sagte - „auf die neue Etappe in Kuba anzustoßen“. Beamte nahmen ihm aber alle Flaschen ab, bevor er sie öffnen konnte. Die Anhänger Castros schrien unterdessen immer wieder: „Die Revolution lebt, die Revolution lebt!“