Eine kluge Wahl

98 abgegebene Stimmen, 98 Mal Ja zu Volker Kauder als neuen Generalsekretär der Christlich Demokratischen Union. Das war schon eine Glanznummer des Kleinen Parteitags, mit der Kauder als Merkels General sehr selbstbewusst in sein neues Amt starten kann.

Er war eine kluge Wahl, das zeigt dieses kommunistisch anmutende Wahlergebnis sehr deutlich. Da ist sie also wieder, die bei der CDU so lange vermisste Eintracht. Die Kunst besteht in den nächsten Monaten darin, den Zustand von gestern zumindest bis nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zu konservieren. Denn nichts honorieren Wähler in diesem Land weniger, als Querelen in einer Partei. In diesem Punkt hat die Union, allen voran Angela Merkel, im letzten Jahr ausreichend Lehrgeld gezahlt. Der permanente Zwist zwischen CDU und CSU ließen die Umfragewerte in den Keller rauschen, und vermittelte den Bürgern das Bild einer in wichtigen Politikbereichen heillos zerstrittenen, konzeptionslosen Union, mit einer zaudernden, schwachen Parteichefin an der Spitze. Die unappetitlichen Vorgänge um Laurenz Meyer und Hermann-Josef Arentz taten ein übriges, um das negative Bild komplett zu machen. Vieles spricht dafür, dass die Wahl von Volker Kauder einen Wendepunkt markiert. Zumal auch die ewig grantelnde CSU erkannt zu haben scheint, dass die dauernden Attacken in Richtung Schwesterpartei ausschließlich Wasser auf die Mühlen der politischen Gegner sind. Zu Recht verbucht die CDU den gestrigen Tag als Erfolg, aber wie lange die neue Einigkeit anhält, wird sich an den Wahlurnen in Kiel und Düsseldorf entscheiden. Gelingt in keinem der beiden Bundesländer die politische Wende, könnte es sehr schnell wieder vorbei sein mit der Unions-Eintracht. Gar nicht zu reden von der in diesem Fall fast zwangsläufig wieder losbrechenden Debatte über die Fähigkeiten Angela Merkels, die Union als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl 2006 zu führen. Und spätestens dann wird ihr neuer General wirklich gefordert sein. d.schwickerath@volksfreund.de