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Eine Milliarde Menschen füttert Netzwerke wie Facebook und Whatsapp mit privaten Infos

Eine Milliarde Menschen füttert Netzwerke wie Facebook und Whatsapp mit privaten Infos

Millionen Deutsche nutzen den Service des Nachrichtendienstes Whatsapp. Dafür haben sie der Anwendung ihre Handy-Adressbücher geöffnet. Doch nun hat die Firma angekündigt, die Daten an das soziale Netzwerk Facebook weitergeben zu wollen. Wehren können sich Nutzer dagegen nicht.

"Wer Dienste wie Facebook oder Whatsapp nutzt, der muss wissen, dass er nicht mehr Herr seiner eigenen Daten ist", sagt Helmut Eiermann, Mitarbeiter beim Landesdatenschutzbeauftragten in Mainz. Wer etwa in das soziale Netzwerk Facebook Fotos einstelle, gebe damit die Rechte an den Bildern ab. Auch könne Facebook auf die in Smartphones gespeicherten Adressen und Telefonnummern von Whatsapp-Nutzern zugreifen, sagt Eiermann. Facebook hatte vor zwei Jahren den Mitteilungsdienst Whatsapp gekauft.

Nun verschafft sich der Konzern Zugang zu privaten Daten. Zum einen kann Facebook anhand der Adressdaten auch bei Nichtnutzern für sich werben. Zum anderen kann Facebook dadurch auch gezielt Werbung machen, etwa wenn sich in einem Handy-Adressbuch die Daten eines Händlers befinden, so können dann speziell dessen Angebote dem Nutzer des sozialen Netzwerks eingeblendet werden.

Auch Whatsapp will künftig Werbebotschaften verschicken. Zugriff auf persönliche Nachrichten soll es vorerst aber nicht geben. Whatsapp-Nutzer können laut Eiermann Facebook anhand von Einstellungen bei den Nutzungsbedingungen verbieten, die Daten etwa für Werbung zu nutzen. Die Weitergabe von Telefonnummern und Adressen könne man allerdings nicht verhindern. Wolle man sich darauf nicht einlassen, müsse man andere Dienste wie etwa Threema nutzen, sagt der Datenschützer, allerdings seien diese längst nicht so weit verbreitet wie Whatsapp mit seinen über einer Milliarde Nutzern.

"Angesichts der Popularität des Dienstes dürfte dies für viele aber keine echte Alternative sein", sagt auch die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Anne Spiegel (Grüne). Letztlich müsse jeder selbst entscheiden, wie viel ihm die Nutzung eines Dienstes "wert" sei und wie viel er von sich selbst preisgeben wolle. Spiegel fordert, dass die Datenhoheit der Nutzer gewahrt und die Privatsphäre ausreichend geschützt bleiben muss. Dazu gehöre, dass sie freiwillig entscheiden müssten, was mit ihren Daten geschehe. Spiegel begrüßt, dass die EU-Kommission sich nun mit dem umstrittenen Datenaustausch beschäftigen will.