"Einfach nur zuhören"

Seit einiger Zeit können Pflegeheime zur Betreuung von Demenzkranken fachfremde Helfer einsetzen. Ein Heim in Konz ist eines der ersten im Land, das sogenannte Betreuungs-Assistenten einstellt.

Konz. (wie) Die Empörung war groß, als die Pläne im Sommer vergangenen Jahres bekannt wurden: Arbeitslose sollen Demenzkranke pflegen. Das neue, seit Juli vergangenen Jahres geltende Pflegegesetz erlaubt es den Heimen, zur Betreuung pflegebedürftiger Bewohner zusätzliches, auch nicht dafür ausgebildetes Personal einzusetzen. Vor allem Pflegeverbände schlugen Alarm und befürchteten, dass die Qualität der Betreuung durch den Einsatz der fachfremden Betreuer nachlasse.

Berthold Steffgen, Leiter des Seniorenheimes Zur Buche in Konz, konnte schon damals die Kritik nicht verstehen. Niemand werde gezwungen, Personal einzustellen, das nicht in seine Einrichtung passe, verteidigte der Heimmanager die Pläne. Daher setzte er alles dran, als eine der ersten Einrichtungen im Land auch die sogenannten Betreuungs-Assistenten zu bekommen. Seit Dezember arbeiten neun Halbtagskräfte in dem Heim inmitten der Konzer Innenstadt. Unter ihnen eine ehemalige Krankenschwester, eine Bürokauffrau und ein Heilpraktiker. Sie seien zusätzlich eingestellt worden, keine der insgesamt 254 Stellen sei weggefallen, sagt Steffgen. Kritiker des Modells befürchten, dass dadurch weniger ausgebildeter Pfleger eingestellt werden, weil die Betreuungs-Assistenten, die von den Krankenkassen bezahlt werden, billiger für die Heime sind. Die Assistenten seien keine Billig-Pfleger. "Wir können aber für unsere demenzkranken Bewohner zusätzliche Angebote machen." Die Betreuungs-Assistenten entlasteten die regulären Pfleger.

Über die Hälfte der derzeit 179 Bewohner des Pflegeheimes leidet an Demenz. Sie werden in einem gesonderten Bereich in dem Heim betreut. Aber, so Steffgen, die individuelle Betreuung komme im normalen Heimalltag zu kurz. Die Aufgaben der Betreuungs-Assistenten sind laut Pflegegesetz streng begrenzt. Sie sollen die Demenzkranken zu Alltagsaktivitäten motivieren, mit ihnen malen, spazieren gehen, Obst schnippeln oder lesen. "Viele Demenzkranke sind einfach nur froh, wenn ihnen jemand zuhört, wenn sie etwa von früher erzählen", sagt Steffgen.

Eine besondere Qualifikation ist für die Betreuungs-Assistenten nicht erforderlich. "Normale Alltagskompetenzen" sollen sie haben, sagt der Heimleiter. In Kursen und Praktika werden sie vorbereitet. "Wir können uns die geeigneten Kandidaten aussuchen." Pflegeverbände kritisieren, dass die Betreuer nicht ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet werden.

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