Einigung: Schwer Kranke zahlen weniger

Einigung: Schwer Kranke zahlen weniger

TRIER. (wie) Endlich herrscht Klarheit: Kassen und Ärzte haben sich gestern darauf geeinigt, wer künftig als chronisch krank gilt und damit weniger für Arzneimittel zuzahlen muss. Auch in Sachen Fahrtkosten-Erstattung gibt es eine Einigung.

Über fünf Stunden haben Ärzte und Kassenvertreter gerungen. Um 15.30 Uhr gestern stand endlich fest, wer künftig als chronisch krank gilt und damit nur ein statt zwei Prozent seines Bruttoeinkommens an Zuzahlungen leisten muss. Bislang war unklar, wer als "schwerwiegend chronisch krank" gilt. Unklarheit herrschte bislang auch bei der Übernahme der Fahrtkosten. So wurde weder schwer Gehbehinderten noch Dialyse-Patienten die Fahrt zum Arzt von den Kassen erstattet. Künftig werden die Fahrtkosten für diese Patienten wieder bezahlt. Auf folgende Punkte hat sich der gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen und Vertragsärzten geeinigt: CHRONISCH KRANKE: Ein Patient gilt nun als chronisch krank, wenn er ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal zum Arzt muss und in Pflegestufe zwei oder drei eingestuft ist. Oder wenn er mindestens 60 Prozent behindert oder erwerbsgemindert ist oder wenn er ständige Behandlungen braucht ohne die Lebensgefahr für ihn bestehen könnte oder die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt wird. Danach gelten etwa auch Diabetiker oder an Multiple-Sklerose Erkrankte als chronisch Kranke. Eine Liste chronischer Erkrankungen wird es allerdings nicht geben. FAHRTKOSTEN: Künftig werden auch für Dialysepatienten, Krebspatienten in der Strahlen- oder Chemo-Therapie, Pflegebedürftige, Rollstuhlfahrer und Blinde die Kosten für Fahrten zum Arzt von den Kassen erstattet. Bei vergleichbar schweren Erkrankungen können die Ärzte die Übernahme der Fahrtkosten anordnen. In allen Fällen müssen die Patienten zehn Prozent der Fahrtkosten, mindestens aber fünf und höchstens zehn Euro, selbst bezahlen. Mit dieser Einigung sei sichergestellt, dass aus finanziellen Gründen kein Patient eine notwendige Behandlung ausfallen lassen müsste, sagen Ärzte und Kassen. Allerdings machten die Kassen bereits deutlich, dass durch die damit verbundenen Mehrausgaben, der Spielraum für Beitragssenkungen geringer werde. "Endlich herrscht Klarheit, was chronisch krank bedeutet. Der Kreis der Betroffenen ist viel weiter gefasst als bisher", freut sich Ekkehard Bahlo, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten. Auch die Übernahme der Fahrtkosten für schwer Kranke sei überfällig gewesen. "Das hätten wir auch schon früher haben können", meint Bahlo. Vor allem Pflegeheim-Bewohner waren Leidtragende der verworrenen Situation. Viele haben bereits einen Großteil ihres Geldes im Januar für Zuzahlungen aufgebraucht.