Eisblumen statt Primeln

Verratene Frühlingsgefühle: Seit Wochen lechzen die Menschen nach Wärme und Sonne. Stattdessen kommt nur immer neuer Frost, der Gärtnern, Baubetrieben oder Cafés das Leben schwer macht. Landwirte müssen in der verkürzten Anbauphase mit einem stressigen Jahr rechnen. Die Heizölbranche hingegen freut sich.

Trier/Wittlich/Bitburg/Zeltingen-Rachtig. Im Gewächshaus stehen sie in langen Reihen und warten, dass sie vielleicht doch noch jemand kauft. Gelbe, rote, lila Primeln, Narzissen, Tulpen und Vergissmeinnicht.
Doch hat der Frühling offenbar vergessen, dass er längst da sein sollte. Hat vergessen, es warm und sonnig werden zu lassen. Sodass die Menschen sich grummelig darein schicken, all ihre üblichen Frühjahrstätigkeiten aufzuschieben. Bei diesem Wetter Salat zu säen oder Primeln zu pflanzen ist nun einmal sinnlos.
Und das macht sich auch bei vielen Betrieben in der Region bemerkbar. Besonders hart getroffen hat die anhaltende Kälte Gärtnereien und Gartencenter. "Bei den Frühlingsblumen machen wir bisher bis zu 70 Prozent weniger Umsatz", sagt Uli Schmitt vom Gartenland Schmitt in Wittlich. Er hofft, einen Teil davon wieder wettmachen zu können, sobald es endlich wärmer wird. Denn dass die Leute nach Frühling hungern und Lust auf Blumen und schöne Gärten haben, steht für ihn außer Frage. Schmitt hat das Glück, die Blumen nicht selbst zu produzieren.
Anders als Stefan Schädler, der in Zeltingen-Rachtig eine Gärtnerei betreibt. "Wir mussten schon viele Pflanzen auf den Kompost schmeißen, weil wir sie nicht verkaufen konnten", sagt er. Primeln, die für Mitte Februar gezogen wurden, sind nun einmal längst verblüht. Er schätzt seinen Verlust auf etwa 50 Prozent. Bei den Temperaturen könne man draußen einfach nichts pflanzen. Ebensowenig wie man da draußen sitzen kann: Für Eisdielen, Cafés und Restaurants bringt die Kälte ebenfalls Umsatzeinbußen.
Das Baugewerbe ruht derweil. Schließlich kann bei diesem Frost weder gemauert noch betoniert werden. "Dieses Jahr ist es wirklich krass", sagt Andrea Grumbach von der Bitburger Firma Weiler Bau. Schon jetzt steht für sie fest, dass der Rest des Jahres stressig wird, weil sich all die Arbeit auf eine kürzere Zeitspanne konzentriert.
Ganz ähnlich geht es den Bauern der Region. Normalerweise wäre die Sommergerste längst gesät, der Salat gesetzt, die Gülle auf dem Feld, und die Wiesen würden wachsen. "Auf uns kommt demnächst eine enorme Arbeitsbelastung zu", sagt Michael Horper, Vorsitzender des Bauernverbands Bitburg-Prüm. Glücklicherweise seien die Wiesen im vergangenen Jahr so gut gewachsen, dass das Viehfutter noch bis in den Mai hinein reichen dürfte. Ein echtes Problem gebe es bisher nicht. Das bestätigt Edith Grundhöfer, die mit ihrem Mann einen Bauernhof in Trier-Zewen betreibt. In anderen Jahren sei der Frost in die Blüten gegangen und habe einen Teil der Ernte zerstört. Dieses Jahr ist noch nichts verloren. Es sei nur eben einfach noch Winter.
Und das merken auch die Heizölhändler. Hans-Jürgen Funke vom Verband für Energiehandel Südwest-Mitte zufolge dürfte der Umsatz dieses "Frühjahr" zehn Prozent höher sein als sonst. Das macht sich natürlich auch bei den Heizölkosten bemerkbar. Allerdings liegen die Preise derzeit mit 87 Cent pro Liter deutlich (etwa zehn Cent) unter dem Vorjahresniveau. Da viele Hausbesitzer (vergeblich) gehofft hatten, mit ihrem Vorrat hinzukommen, haben die Händler mit dem Auffüllen leerer Öltanks derzeit viel zu tun. Hat der Frühling doch offenbar vergessen, dass er längst da sein sollte.Extra

Dieser Winter ist nicht nur dunkel, lang und kalt. Er zeichnet sich auch durch eine extreme Grippewelle aus. Elfmal so viele Menschen wie im Vorjahr erkrankten nach Auskunft des Trierer Gesundheitsamts an Influenza. 2012 gab es in den ersten elf Wochen des Jahres landesweit 261 gemeldete Fälle. Dieses Jahr waren es laut stellvertretendem Amtsleiter Horst van Hees fast 3000. Auch die "ganz normale Freck" (Erkältung) hat in den vergangenen Wochen - begünstigt von der langen Kältephase - ordentlich zugeschlagen. Dass viele Menschen gleich mehrfach hintereinander erkrankten, ist van Hees zufolge nichts Ungewöhnliches. Waren da doch genügend unterschiedliche Viren und Stämme unterwegs, mit denen man sich infizieren konnte. Inzwischen klingt die Grippewelle aus. kahExtra

Wo ist an Ostern der Frühling zu finden? In der Region Trier noch nicht so richtig. Zwar dürfte es hier an Ostern weitgehend trocken bleiben und sonnig werden. Allerdings sind die Höchsttemperaturen mit tagsüber fünf bis zehn Grad immer noch ziemlich bescheiden. Nachts bleibt es TV-Wetterexperte Dominik Jung zufolge zudem frostig. Wer die Nase voll hat von dieser Kälte, muss entweder in die Sauna gehen oder verreisen. Und zwar sollte diese Reise am besten weit wegführen. Denn laut Jung tummeln sich über dem Mittelmeerraum einige Tiefdruckgebiete, die an Ostern wahrscheinlich reichlich Regen bringen. So richtig warm werde es in Südfrankreich, Italien oder Spanien mit 15 bis 20 Grad auch noch nicht. Schon deutlich besser sieht es da für diejenigen aus, die einen Flieger Richtung Balearen, Kanaren, Ägypten, Türkei oder Nordafrika besteigen. Dort dürfte es bei über 20 Grad warm und sonnig genug sein, um endlich Frühlingsgefühle zu bekommen. Auch das krisengeschüttelte Zypern hat schönes Wetter. kah