Elegante Lösung

Was ist bloß in die SPD gefahren? Als gäbe es in der Politik derzeit keine anderen Probleme zu lösen, demontieren sich jetzt - vor der Öffentlichkeit und in bester CDU-Manier - auch die Genossen gegenseitig.

Andrea Nahles, Dauer-Querulantin aus dem rheinland-pfälzischen Norden, will unbedingt Generalsekretärin werden und hat ihrem Parteichef Franz Müntefering deshalb den Fehdehandschuh hingeworfen. Der hatte sich schon entschieden - gegen Nahles und für seinen langjährigen Vertrauten Kajo Wasserhövel. Dass der Vorsitzende die Wahl trifft, wer der Hauptmanager an seiner Seite werden soll, ist sein gutes Recht. Möglich, dass Müntefering nicht jeden in der SPD über seinen Wunschkandidaten informiert hatte, bevor er die Personalie öffentlich machte - muss er aber auch nicht. Der Chef hat beim Generalsekretär die Qual der (Aus-)Wahl - das ist das Entscheidende. Dass sich Nahles selbst für geeignet hält, mag ja noch angehen. Dass die SPD-Linke deshalb aber die ganze Partei in Wallung bringt, ist ein Unding. Sollte die 35-Jährige auf dem Parteitag im November tatsächlich gegen Wasserhövel kandidieren, hätte Müntefering ein Problem. Selbst wenn seine erste Wahl gewinnen sollte, beschädigte jede Nahles-Stimme den autoritätsschwachen Vorsitzenden. Im umgekehrten Fall könnte der Parteichef gleich die Koffer packen. Ein Vorsitzender mit einer Parteifeindin an seiner Seite - undenkbar. Wahrscheinlich aber ist, dass der Konflikt schon in der SPD-Vorstandssitzung am Montag auf die elegante Art bereinigt wird. Um Nahles ruhig zu stellen, werden ihr die Genossen ein schönes Pöstchen in Aussicht stellen, das die SPD-Linke nicht ablehnen kann. Ihr Aufstand hätte sich damit immerhin gelohnt, auch wenn´s der Partei am Ende geschadet hat. r.seydewitz@volksfreund.de