Endstation Daun

Der 47-jährige Straftäter, der montagfrüh in Trierweiler (Kreis Trier-Saarburg) einen Reisebus gestohlen hat, ist durch den Hinweis einer Tankstellen-Mitarbeiterin in Daun (Vulkaneifel) gefasst worden. Das 250 000 Euro teure Gefährt blieb unbeschädigt.

Daun. So richtig bewusst ist Birgit Kordel (44) aus Daun noch immer nicht, was am Donnerstagabend passiert ist. Und vor allem: Was alles hätte passieren können. Was war geschehen? Kurz vor 22 Uhr hatte die 44-Jährige - wie immer bei ihrem Dienst an der Tankstelle in Daun - damit begonnen, den Laden aufzuräumen. Noch immer war Betrieb. Auch ein gut 1,80 Meter großer Mann, der in einem Bus mit der Aufschrift "Kylltal-Reisen" vorgefahren kam, betrat den Verkaufsraum. Er habe um den Toilettenschlüssel gebeten, danach ein Eis gekauft. "Und er hat mich nach einem Busunternehmen in der Gegend gefragt", sagt Birgit Kordel. Als sie auch seiner Bitte nach einer Kopfwehtablette nicht nachkommen konnte, habe der Mann gezahlt und sei wieder in den Bus gestiegen - aber nicht fortgefahren. Die 44-Jährige hatte sich da bereits das Kennzeichen notiert, "denn beim Begriff Kylltal-Reisen hat bei mir irgendetwas gedämmert". Um sich zu vergewissern, sei sie in den Nebenraum gegangen und habe im TV nachgeschaut. Und beim ersten Blick auf Seite eins sei ihr sofort klar geworden: Bei dem 18-Tonner handelte es sich um den gestohlenen Luxus-Bus, bei dem Mann ofenkundig um den gesuchten Straftäter. Zurück im Verkaufsraum habe sie die Polizei benachrichtigt. Dabei habe sie sich, um die Nummer zu wählen, intuitiv "hingekniet". Nein, Angst habe sich bei ihr in diesem Moment nicht breit gemacht, "denn ich hatte ja noch alle Hände voll zu tun, und Kunden kamen auch immer noch", erzählt sie."Die laufen ja mit Pistolen da draußen rum"

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Wenig später seien dann zwei Autos vorgefahren - eines vor und eines hinter den Bus. "Und plötzlich sagte eine Kundin ganz verwundert: Die laufen ja mit Pistolen da draußen rum, und ich habe nur gedacht: Ja, ja." Als sie dann tags darauf durch Daun fuhr, kam ihr der Bus entgegen. In dem Fahrzeug saß Ralf Müller, Juniorchef von Kylltal-Reisen, und lotste das Luxus-Gefährt nach Hause. Schließlich soll damit die Trierer Eintracht am Sonntag zum Auswärtsspiel nach Wirges gefahren werden. Kurz zuvor war er mit seinem Vater Fred, dem Besitzer des Unternehmens, nach Daun geeilt, nachdem sie von der Polizei die gute Nachricht erhalten hatten: Der Bus ist wieder da. Und unbeschädigt. "Dazu hat der Volksfreund ein gutes Stück beigetragen", lobte Ralf Müller, dem nach eigenem Bekunden bereits "Bilder vom Bus, der zu Schrott gefahren oder in der Mosel versenkt wurde, im Kopf herumschwirrten". Und noch in Anwesenheit der Polizei verkündete er: "Für die Tankstellenmitarbeiterin gibt's einen dicken Reisegutschein." Bis gestern Mittag wusste sie selber davon noch nichts.