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Energiebranche hat Angst vor der Delle im Windradgeschäft

Energiebranche hat Angst vor der Delle im Windradgeschäft

Die Winderzeugung auf See, in Deutschland erst 2010 richtig gestartet, wird immer umfangreicher. 818 Megawatt Leistung gingen im vergangenen Jahr neu ans Netz, diesmal ausschließlich Anlagen in der Nordsee.

Berlin. Insgesamt steht durch die Offshore-Windbranche eine Kapazität von 4,1 Gigawatt zur Verfügung (3,8 Gigawatt Nordsee, 0,33 Gigawatt Ostsee), die im vergangenen Jahr 13 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugte - so viel wie drei Millionen Haushalte verbrauchen. Doch fürchtet die Branche eine Ausbaudelle in den kommenden Jahren.
Denn im reformierten Erneuerbare-Energien-Gesetz sind jährliche maximale Ausbaumengen vorgegeben, der Gesamtausbau ist bis 2020 auf 6,1 Gigawatt gedeckelt. Mit den aktuellen Vorgaben, 1000 Megawatt pro Jahr, kommt man nach eigenen Angaben noch gut klar. Das entspreche etwa den Kapazitäten der Hersteller, erklärte Branchenvertreter Norbert Giese am Donnerstag in Berlin. Doch dass 2021 und 2022 nur noch 500 Megawatt errichtet werden dürfen, sei "ein kaschierter Fadenriss".
Deutsche Firmen sind neben dänischen Herstellern führende Anbieter, allerdings gibt es außerhalb Europas bisher kaum Exportmärkte. Hintergrund der Deckelung sind die Engpässe beim Netzausbau - noch mehr Strom könnte nicht abgeführt werden. Giese verlangte, noch einmal zu prüfen, ob die bestehenden Netze optimiert werden könnten.
Jenseits dieser Zukunftssorgen gibt es aktuell allerdings fast nur positive Meldungen. Die Zahl der in der Branche Beschäftigten hat sich auf 20 500 erhöht, ein wachsender Anteil davon in der Wartung der Anlagen. Die Windräder sind immer besser und größer geworden - die Neuesten haben im Schnitt schon eine Leistung von 5,2 Megawatt je Anlage, 27 Prozent mehr als die bisherigen. Und die Rotoren messen jetzt 145 Meter im Durchmesser.
Die meisten der 968 Kolosse stehen weit draußen auf See, durchschnittlich 62 Kilometer weg von der Küste in durchschnittlich 28 Meter tiefem Wasser. Insgesamt kommen rund zwei Prozent des gesamten verbrauchten Stroms in Deutschland vom Meer.
Nach der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes müssen neue Projekte ab diesem Jahr ausgeschrieben werden; derjenige, der den günstigsten Herstellerpreis verspricht, bekommt den Zuschlag. In Dänemark hat das Verfahren zu einer Kostensenkung um fast 40 Prozent geführt. Eine Zahl für Deutschland wollte Martin Skiba von der Stiftung Offshore-Windenergie am Donnerstag nicht nennen, doch geht man auch hierzulande davon aus, "dass wir preislich deutlich runterkommen". Derzeit liegen die Entstehungskosten im Schnitt zwischen elf und 13 Cent je Kilowattstunde.
Die Offshore-Windbranche wäre dann nach der Windenergie an Land und der Solarenergie die dritte aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, die Strom zu einstelligen Cent-Beträgen herstellen kann.