Engagierter Journalismus

Für ihre Recherchen über den Subventionsbetrug bei der Handwerkskammer Trier ist TV-Redakteurin Christiane Wolff am Mittwoch mit dem mit 8000 Euro dotierten zweiten "Wächterpreis der Tagespresse 2008" ausgezeichnet worden.

(red) Ausgezeichnet hat die Stiftung "Freiheit der Presse" Christiane Wolff unter anderem wegen ihres "hartnäckigen journalistischen Engagements". Die 34-Jährige hatte im vergangenen Jahr Subventionsbetrug, Unterschriftenfälschungen und dubiose Dienstleistungs- und Werksverträge bei der Trierer Handwerkskammer aufgedeckt.

Die Recherchen kosteten unter anderem den HWK-Hauptgeschäftsführer und dessen Stellvertreter ihre Jobs. Das Ermittlungsverfahren, das die Staatsanwaltschaft gegen beide führt, läuft derzeit noch.

Der erste Wächterpreis (12.000 Euro) ging an Mattias Thieme und Jörg Schindler von der "Frankfurter Rundschau", die die intransparente Spenden-Akquise des Kinderhilfswerks Unicef aufdeckten. Den dritten Preis (6000 Euro) erhielt Jürgen Bock, Redakteur der "Stuttgarter Nachrichten", der Unzulänglichkeiten bei der Notfallrettung in Baden-Württemberg ans Licht gebracht hatte. Den Wächterpreis für Volontäre (4000 Euro) erhielt Philipp Eppelsheim von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Den Publizisten Klaus Harpprecht zeichnete die Stiftung "Freiheit der Presse" für sein journalistisches Lebenswerk aus. Hermann Rudolph, Herausgeber des "Berliner Tagesspiegels" und Jury-Vorsitzender, überreichte den renommierten Preis im Frankfurter Römer in einer kleinen Feierstunde, zu der Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth eingeladen hatte. Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach über die Bedeutung einer freien Presse in einer freien Gesellschaft.

Christiane Wolff hat nach ihrem Studium beim Volksfreund volontiert und ist seit 2004 Redakteurin in der Trierer Lokalredaktion. "Ich möchte wissen, wie Dinge funktionieren. Wie eine Gesellschaft organisiert ist. Und wie manche Konstellationen und psychologische Phänomene dazu führen, dass manches eben nicht - oder nur sehr defizitär - funktioniert", beschreibt sie die Leidenschaft für ihren Beruf.

Der Jury des Wächterpreises, den die Stiftung "Freiheit der Presse" mit Sitz in Bad Vilbel vergibt, gehören neben Rudolph noch die Chefredakteure Hans Eggert und Roland Hof sowie die Verleger Laurent Fischer und Konstantin Neven DuMont an. Der Wächterpreis wurde in diesem Jahr zum 40. Mal verliehen und ist damit der älteste deutsche Journalistenpreis. Er soll Journalisten für ihre verantwortungsvolle Arbeit auszeichnen.

Preisgekrönte Beiträge unter: www.waechterpreis.de/aktuell
www.axel-springer-akademie.de/09-herausragende-leist.html