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Entspannung an der Milchpreis-Front

Entspannung an der Milchpreis-Front

Die vergangenen beiden Jahre haben die Hochwald Molkerei und ihre Milchbauern arg gebeutelt. In Zukunft möchte sich das genossenschaftliche Unternehmen breiter aufstellen, um gegen solche Krisen besser gewappnet zu sein.

Thalfang/Maria Laach Innerhalb weniger Wochen hat die Hochwald Molkerei ihre Vertreter schon zur zweiten Versammlung eingeladen. Mitte Mai (der TV berichtete) sicherte sich die Geschäftsführung in einer außerordentlichen Vertreterversammlung die Unterstützung für die Strategie 2020. Dabei mussten die Landwirte nicht nur die Neuausrichtung genehmigen, sondern diese auch durch eine Kapitalerhöhung finanziell mittragen. "Dafür haben wir eine Zustimmung von 96 Prozent erhalten. Darauf sind wir stolz", resümierte nun Hochwald-Chef Detlef Latka.
Belegt wird die hohe Zustimmung wohl auch durch eine Abstimmung mit den Füßen. Mit der Kapitalerhöhung haben die Milchbauern ein Sonderkündigungsrecht. "Davon haben wenige Gebrauch gemacht. Wir werden Anfang 2018 rund 50 Millionen Kilogramm Milch mehr verwerten können als in diesem Jahr" sagt Latka. Es gebe 70 Millionen Kilogramm Milch Abgänge und 120 Millionen an Zugängen.
Warum diese Strategie notwendig ist, zeigt auch die Bilanz 2016. Denn die vergangenen beiden Geschäftsjahre standen für die gesamte deutsche Milchwirtschaft unter keinem guten Stern.
Bei der Hochwald Molkerei gingen die Umsatzerlöse um 5,5 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,44 Milliarden) zurück. Als Grund nannte Latka "deutliche Rückgänge bei den Erzeugerpreisen". Schwierig war die Lage vor allem im Export in Nordafrika. In Deutschland haben die niedrigen Milchpreise, die mit dem Lebensmittelhandel abgeschlossen wurden, die Lage belastet. Entsprechend bescheiden fällt der durchschnittliche Milchpreis für 2016 aus. Mit 26,13 Cent je Liter Milch (Leistungspreis bei vier Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß, inkl. Nachzahlungen) lag der Preis noch deutlich unter dem Durchschnittspreis von 2015 (30,8). Aktuell, für Mai, Juni und Juli, zahlt Hochwald einen Grundpreis von 31,5 Cent/je Liter. Mit 2,321 Milliarden Liter Milch lieferten die 4700 Milchbauern dennoch etwas mehr Milch ab, als im Jahr zuvor. "Dennoch war die Milchanlieferung für uns nicht unproblematisch. Im ersten Halbjahr haben unsere Landwirte sechs Prozent mehr Milch angeliefert, in der zweiten Hälfte hatten wir zu wenig Milch", sagt Latka. Besonders gut hat sich Bärenmarke entwickelt. Hier stiegen die Umsätze laut Latka um 17 Prozent zum Vorjahr.
Mit Investitionen von 300 Millionen Euro in den kommenden Jahren will sich die Hochwald vor allem von der sogenannten "weißen Linie" (Frischmilch, H-Milch, Sahne, Buttermilch etc.) unabhängiger machen. "In Zukunft wollen wir unseren Umsatz zu einem Drittel im Inland, zu einem Drittel im Export und zu einem Drittel im Käse erwirtschaften", gab Latka die Zukunftslosung aus. Damit verspricht sich Hochwald höhere Gewinnmargen und besser gegen Krisen gerüstet zu sein. Einher geht die Strategie mit Investition und Werkschließungen. 2018 wird das Werk Weiding in Bayern an einen nicht genannten Käufer abgeben. In Thalfang werde hingegen der Bereich Kondensmilch mit einer vierten Linie ausgebaut (der TV berichtete) und die Kapazität um rund 25 Prozent gesteigert. Hier sollen 40 neue Jobs entstehen. Es werde ein mittlerer zweistelliger Millionen-Betrag investiert. Weitere Investitionen gehen nach Bolsward in den Niederlanden und nach Hungen. Der Großteil der 300 Millionen-Investitionen soll aber in ein neues Werk fließen, für das derzeit die Pläne entwickelt werden. "Wir prüfen derzeit, was wir dort herstellen wollen", sagt Latka. Doch tiefer lassen die Hochwald-Verantwortlichen sich derzeit nicht in die Karten schauen. Als Standort komme ein Ort "im Zentrum unseres Verbreitungsgebiets infrage", lässt sich Latka noch entlocken. Den Gerüchten nach sucht Hochwald im Süden von NRW nach einem geeigneten Standort. Schon für das laufende Jahr erwartet die Molkerei aber höhere Milchpreise. "Der Markt hat sich stabilisiert. Es gibt weniger Milch. Das ist gut für die Preise", so der Hochwald-Chef. Als Grund dafür nennt er das für die Milchwirtschaft schlechte Wetter und den Aspekt, dass zahlreiche Milchbauern die Produktion in den vergangenen beiden Jahren aufgegeben haben.
Für Hans-Jürgen Sehn (Briedel, Cochem-Zell), der altersbedingt als Aufsichtsratsvorsitzender ausscheidet und durch Matthias Bug (Petersberg-Böckels, Hessen) ersetzt wird, auch ein absolutes Muss. "Die letzten beiden Jahre waren für die Milchbauern sehr schwierig. Wir brauchen jetzt länger eine gute Zeit, um das auffangen zu können."
Die Hochwald-Gruppe beschäftigt 1862 Mitarbeiter. 4700 Milchbauern mit 220 000 Kühen haben im vergangenen Jahr 2,32 Milliarden Kilo Milch geliefert.