Erfolglos durchleuchtet

BRÜSSEL/OSANN-MONZEL. Auch das Europäische Parlament hat nun die Welle von Attentaten erreicht, die gegen Persönlichkeiten und Institutionen der EU gerichtet sind. Sind die Abgeordneten in Brüssel sicher?

Christa Klaß ist empört. "In einem öffentlichen Gebäude, das als mögliches Angriffsziel terroristischer Akte bekannt war, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass die eingehende Post auch einer Sicherheitskontrolle unterliegt", sagt die CDU-Europa-Abgeordnete, die am Montag noch in ihrem Heimat-Büro in Osann-Monzel war. Dort seien sie und ihre Mitarbeiter bereits vergangene Woche von der deutschen Polizei vor dem Öffnen verdächtiger Sendungen gewarnt sowie im Umgang damit geschult worden. Doch in Brüssel sei nichts passiert, obwohl die Bedrohung seit den ersten Briefbomben (siehe Hintergrund) bekannt war. Ihre Mitarbeiterin Gina Braun-Friderici erfuhr gestern in Brüssel denn auch nicht vom Sicherheitsdienst des Parlaments von den eingegangenen Briefbomben, sondern durch eine Presse-Mitteilung der eigenen Fraktion. "Die Mitarbeiter hier sind ratlos und verunsichert", sagt Braun-Friderici . Die von Klaß geforderten Kontrollen hat es gegeben, allerdings ohne Erfolg: Trotz Röntgengeräten sei der explosive Inhalt in den beiden gestern im Parlament aufgetauchten Päckchen nicht entdeckt worden, sagte Parlamentssprecher Jaume Duch. Die Umschläge seien am 22. Dezember in Bologna abgestempelt worden. Bis zur Wiederaufnahme des Parlamentsbetriebs hätten sie in den Postfächern gelegen. "Wir sind besorgt, dass von den zehntausenden Päckchen, die wir in den vergangenen Wochen erhalten haben, eins oder zwei offensichtlich durch das Sicherheitsnetz gerutscht sind", sagte der Sprecher von EU-Parlamentspräsident Pat Cox. Eine Untersuchung solle zeigen, ob zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen nötig seien. Für Christa Klaß besteht daran kein Zweifel, hat sie doch ohnehin einschlägige Erfahrungen in Brüssel gemacht: Ende Mai 2003 war sie mit einer ihrer Mitarbeiterinnen überfallen und beraubt worden - direkt vorm Parlament und vor den Augen des Sicherheitsdienstes.

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