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Ermittler befassen sich nun auch mit Kölner Nagelbomben-Anschlag

Ermittler befassen sich nun auch mit Kölner Nagelbomben-Anschlag

Die Bundeskanzlerin spricht von einer Schande für Deutschland: Jahrelang sollen Neonazis aus Thüringen geraubt, gemordet, gebombt haben. Und all die Jahre ist ihnen niemand auf die Spur gekommen. Die Taten werfen viele Fragen auf - vor allem an den Verfassungsschutz.

Karlsruhe/Berlin. Die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" hat womöglich noch mehr Verbrechen begangen als bislang bekannt. Die Bundesanwaltschaft nahm am Montag Ermittlungen wegen eines Anschlags mit einer Nagelbombe 2004 in Köln auf. Bei dem Attentat in einer von vielen Migranten bewohnten Straße waren 22 Menschen teils schwer verletzt worden.
Der Verfassungsschutz gerät wegen der jahrelang nicht erkannten Terrorserie mit mindestens zehn Toten immer stärker in die Kritik. Das Bundesamt und das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz wiesen Spekulationen zurück, sie hätten Kontakte zu dem Neonazi-Trio unterhalten.
Das Kölner Bundesamt erklärte, man habe keine Kenntnis über den Verbleib der drei Personen nach 1998 gehabt. In den 1990er Jahren war das Trio wegen Verbindungen zum rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" aufgefallen. Politiker aller Parteien fragen nun, warum die Rechtsextremen, die unter Beobachtung standen und 1998 in Jena sogar als Bombenbauer aufgefallen waren, danach aus dem Blickfeld verschwinden konnten. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kündigte an, als Konsequenz auch einen Umbau des Verfassungsschutzes zu prüfen.
Der Bundesgerichtshof hatte am späten Sonntagabend Haftbefehl gegen die Verdächtige Beate Z. erlassen, die sich nach dem Tod ihrer beiden mutmaßlichen Komplizen vergangene Woche der Polizei gestellt hatte. Es bestehe der dringende Verdacht der Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, erklärten die Karlsruher Ermittler.
Die heute 36-Jährige soll 1998 mit ihren Komplizen Uwe B. und Uwe M. die Gruppierung "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" gegründet haben. Später soll sie möglicherweise unmittelbar an der Mordserie beteiligt gewesen sein, der zwischen 2000 und 2007 acht türkische und ein griechischer Kleinunternehmer sowie eine Polizistin zum Opfer fielen.
Neue Propaganda-DVD


In Sachsen tauchte inzwischen eine weitere Propaganda-DVD der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" auf. Nach Angaben der Linkspartei in Sachsen erhielt eine frühere Kreisgeschäftsstelle der Partei einen solchen Datenträger. Nach Medienberichten hatte sich die NSU in Bekennervideos auch mit den Anschlägen in Köln gebrüstet. Bei dem Attentat von 2001 war eine 19-jährige Deutsch-Iranerin durch eine Sprengfalle im Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern schwer verletzt worden.
Der am Sonntag in der Nähe von Hannover festgenommene mutmaßliche Helfer des Zwickauer Trios, der 37-jährige Holger G., sollte nach Angaben der Bundesanwaltschaft noch am Montag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) vorgeführt werden. Zur Frage nach möglichen weiteren Beteiligten machte ein Sprecher der Behörde keine Angaben. Das Umfeld der Beschuldigten werde "intensiv ausgeleuchtet", sagte er.