Erst pusten, dann fahren?

Mehr Verkehrskontrollen, sicherere Autos und Airbags für Motorradfahrer - so will die Europäische Union die Zahl der Verkehrstoten halbieren. Zudem wird heftig und kontrovers über sogenannte alkoholempfindliche Zündsperren (Alcolocks) diskutiert, die Trinker vom Steuer fernhalten sollen.

Trier/Brüssel. Die EU-Kommission möchte die Zahl der Verkehrstoten und -unfälle drastisch eindämmen. Die bisherigen Fortschritte reichen EU-Verkehrskommissar Siim Kallas und seinen Mitstreitern nicht aus.

ADAC-Sprecher: Führerschein muss weg



2009 sank zwar die Zahl der Todesopfer in der EU gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 35 000. "Trotzdem sterben noch jeden Tag 100 Menschen auf Europas Straßen", sagte Kallas.

Die EU-Kommission will den Herstellern zum Beispiel vorschreiben, Autos verpflichtend mit Warnsignalen zum Anschnallen und mit automatischen Geschwindigkeitsbegrenzern auszustatten. Busse und Lastwagen sollen automatische Notbremssysteme bekommen. Bei Motorrädern will die Kommission bessere Bremssysteme vorschreiben und prüft, inwieweit sich Airbags in Motorradkleidung integrieren lassen. Alkoholempfindliche Wegfahrsperren ("Alcolocks") könnten Bus- und Lastwagenfahrer am Fahren hindern. In vielen Bundesstaaten der USA, in Kanada und Australien sind die Zündsperren schon seit Jahren im Einsatz. In Finnland, Schweden, Belgien, den Niederlanden und Frankreich wurde über eine Einführung nachgedacht. Der Sprecher des ADAC Hansa in Hamburg, Matthias Schmitting, sieht aber keine großen Chancen für die Wegfahrsperren. "In den USA sind die Geräte auf dem Rückzug, und in Europa wird bisher nur darüber diskutiert." Seiner Meinung nach sei es wichtiger, alkoholisierten Fahrern den Führerschein zu entziehen und Auflagen zu erteilen, ihr Alkohol-Problem in den Griff zu bekommen. "Wenn ein Autofahrer nicht weiß, ob er zu viel getrunken hat, kann er die Verantwortung doch nicht einem Puste-Röhrchen übertragen", meint Schmitting.