Erster Lernerfolg

Nach dem Wahldesaster und dem fälligen Rücktritt von Vormann Christoph Böhr scheint sich in der Union so mancher an die Weisheit zu erinnern, dass in jeder Niederlage auch eine Chance liegt. So fängt offenbar erst einmal die Abgeordnetenriege an dazuzulernen: kein Krieg mehr unter der keineswegs dichten Fraktionsdecke, möglichst keine Keilerei mehr mit Haken und Ösen.

Stattdessen offenes Konkurrenzdenken um den Fraktionsvorsitz. Natürlich steckt hinter einer Kampfkandidatur von Christian Baldauf und Michael Billen mehr als nur der Drang zweier Abgeordneter an die Spitze. Baldauf ist seit langem ein Kritiker von Böhr, wenn auch nicht einer der heftigsten. Doch die vielen in der Fraktion, die sich bislang nicht auf eine Alternative zum glücklosen Vorsitzenden einigen konnten, scheinen sich nun auf den kooperativen und umgänglichen Frankenthaler verständigt zu haben, um einen Neuanfang zu wagen. Eine Mehrheit ist ihm zuzutrauen. Der Trierer Bezirkschef Michael Billen steht für die Gefolgsleute Böhrs, die keineswegs das Feld sang- und klanglos räumen wollen. Er kämpft in der politischen Auseinandersetzung eher mit dem Säbel und würde der Opposition sicher lautstark Gehör verschaffen. Gut möglich ist allerdings auch, dass die angekündigte Gegenkandidatur nur ein strategischer Zug ist, um nicht kampflos Einfluss preiszugeben. Die Gespräche beider Kandidaten könnten dazu führen, auch beide Seiten in einer einvernehmlichen Regelung endlich zusammenzuführen und damit einem programmierten Fehlstart vorzubeugen. j.winkler@volksfreund.de

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