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Es fehlt noch das Quäntchen Glück

Es fehlt noch das Quäntchen Glück

Berlin. Die deutsche Industrie geht mit Optimismus und Zuversicht in das neue Jahr. "Die Stimmung ist so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Konjunktur nimmt sichtbar Fahrt auf. 2006 könnte mit einem Quentchen Glück das stärkste Jahr seit langem werden." Das sagt Jürgen R. Thumann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Die Auftragsbücher der Industrie seien gut gefüllt, die Kapazitäten würden immer besser ausgelastet, erklärte Thumann anlässlich der Veröffentlichung des neuesten BDI-Konjunkturreports gestern in Berlin. Insgesamt erwarten die deutschen Unternehmer für 2006 ein Wachstum von 1,5 bis 1,8 Prozent, so der BDI-Chef. "Ich empfehle aber, unbedingt das nächste Jahr mit in den Blick zu nehmen. Ob die konjunkturelle Belebung auch 2007 weitergeht oder abrupt gestoppt wird, hängt sehr vom Mut unserer Politiker ab." Die große Koalition habe zwar die Stimmung in der Wirtschaft und bei der Bevölkerung eindeutig verbessert. Doch dabei handele es sich quasi um einen "Vertrauensvorschuss", so Thumann. Entscheidend komme es jetzt darauf an, die von der Bundesregierung auf ihrer Klausurtagung in Genshagen getroffenen Beschlüsse energisch umzusetzen. Unbedingtes Ziel Deutschlands müsse es in jedem Fall sein, an das durchschnittliche Wachstum der Weltwirtschaft von drei bis vier Prozent anzuknüpfen. Die Weltkonjunktur expandiere trotz hoher Ölpreise und steigender Zinsen weiter kräftig. Das für dieses Jahr erwartete Wachstum in Deutschland von unter zwei Prozent, so erfreulich es auch sei, reiche absolut noch nicht aus, die öffentlichen Finanzen entscheidend zu konsolidieren oder die Arbeitslosigkeit wirklich abzubauen, dämpfte der BDI-Chef allzu euphorische Erwartungen.Tragender Pfeiler bleibt der Export

Tragender Pfeiler des Aufschwungs sei weiterhin der Export, der von der boomenden Weltwirtschaft profitiere. Einer ersten Schätzung zufolge hätten die deutschen Exporteure 2005 Waren im Wert von 784,1 Milliarden Euro verkauft. Ein Ende dieses Exportbooms sei nicht in Sicht. Die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung des Industrieverbandes mit hoher Dynamik wachsen, kräftigere Impulse "sind wohl jetzt auch aus dem Euroraum zu erwarten, der zunehmend an Fahrt gewinnt, nachdem er lange Zeit im internationalen Vergleich die rote Laterne innehatte". Festzustellen sei auch, dass immer mehr Firmen verstärkt wieder in ihre deutschen Standorte investierten. Thumann: "Das ist mehr als erfreulich. Diese Investitionen werden zum zweiten Standbein der Konjunktur." Beim Konsum gebe es nach düsteren Jahren "erste vereinzelte Lichtblicke", auch wenn der private Konsum wohl auch 2006 "die Archillesferse des Aufschwungs" bleiben werde. Zwar nehme seit Dezember die Neigung zu, auch wieder größere Anschaffungen zu tätigen. Daraus aber bereits einen stabilen Meinungsumschwung in der Bevölkerung ablesen zu wollen, werde der Lage nicht gerecht. Die für 2007 geplante Mehrwertsteuererhöhung werde ziemlich sicher zu vorgezogenen Käufen im zweiten Halbjahr 2006 führen. Das Risiko dabei: Dieser Sonderkonjuktur könnte 2007 eine Konsumdelle folgen. In diesem Jahr könnte sich zudem die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland in einigen Branchen sehr positiv bemerkbar machen. Die Hauptrisiken blieben allerdings auch 2006 die nach wie vor schlechte Arbeitsmarktsituation und die hohen Energiepreise, die zu einem realen Kaufkraftverlust von rund zehn Milliarden Euro hierzulande geführt hätten. Thumann: "Vertrauen und Zuverlässigkeit sind die wichtigsten Stichworte an die Adresse der Politik."