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Gesundheit: Es kommt auf jeden Einzelnen an

Gesundheit : Es kommt auf jeden Einzelnen an

Wie das Land begründet, dass weiterhin in Rheinland-Pfalz nicht angeordnet wird, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte sich bei ihrer gestrigen Pressekonferenz um eine eindeutige Antwort. Es gebe „gute Gründe“, sagte sie, etwa im Öffentlichen Nahverkehr eine Maske zu tragen. Wenn, so ergänzte sie, es genügend gebe. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wurde da schon deutlicher. Er kündigte gestern im Landtag an, wegen der Corona-Krise eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Nahverkehr einzuführen. Von kommender Woche an sind Mund-Nasen-Schutz, Alltagsmasken oder auch Schals Pflicht. „Man nennt das im Allgemeinen auch eine Maskenpflicht“, sagte Söder in seiner Regierungserklärung.

Bayern ist damit das zweite Bundesland nach Sachsen, das eine solche Pflicht einführt. Auch einzelne Kommunen haben angeordnet, sich in Bussen und Bahnen und beim Einkaufen entsprechend zu schützen.

In Rheinland-Pfalz ist weiterhin keine Maskenpflicht geplant, wie Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) unserer Zeitung mitteilte. „Die Landesregierung appelliert mit ihrer dringenden Empfehlung vielmehr an die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger, insbesondere mit Blick auf Menschen, die auf den ÖPNV angewiesen sind, Kontakte nicht vermeiden können oder gesundheitlich besonders gefährdet sind“, so die Ministerin. Man werde das Infektionsgeschehen insbesondere vor dem Hintergrund der seit gestern gelockerten Regelungen weiterhin genau beobachten. Dabei werde die Landesregierung auch im Blick haben, „ob die Bürgerinnen und Bürger der dringenden Empfehlung eigenverantwortlich in ausreichendem Maße nachkommen“, sagte Bätzing-Lichtenthäler.

Es komme nun in der Tat auf jeden Einzelnen an, ob es trotz der Lockerungen nicht erneut zu einem deutlichen Anstieg der Corona-Infektionen komme, sagt auch Rolf Mahlberg. Er ist Internist und Infektiologe im Trierer Mutterhaus. Die Verhaltensregel, vor allem das Abstandhalten, müsse konsequent eingehalten werden. Das Problem sei, dass man die Auswirkungen der erweiterten Ladenöffnungen erst in zwei oder drei Wochen sehe, so Mahlberg. So lange dauert es, bis eine Ansteckung mit dem Coronavirus im menschlichen Körper nachgewiesen werden kann. Wenn sich die Menschen nicht an die Schutzmaßnahmen hielten, dann, so der Mediziner, drohe ein erneuter Lockdown, also die erneute Schließung vieler Geschäfte. Und womöglich könnten dann auch weitreichendere Ausgangsbeschränkungen folgen.

Mahlberg hält die Lockerungen für „gut durchdacht“ und medizinisch vertretbar. Ob durch das Tragen sogenannter Alltagsmasken tatsächlich das Infektionsgeschehen eingedämmt werden kann, vermag er nicht zu sagen. Ein solcher Mundschutz schütze nicht denjenigen, der ihn trage, sondern in erster Linie andere. Andererseits verhindere sie, dass man sich unbedacht mit den Händen ins Gesicht fasse und damit unbewusst das Virus übertrage. Es könne so nicht in die Schleimhäute gelangen. Wenn jeder eine Maske trage, könne man sich zwar gegenseitig schützen, aber auch nur dann, wenn der Mundschutz nach jedem Tragen auch entsprechend gewaschen werde.

Ein Mundschutz darf nur einmal getragen werden und das maximal drei Stunden. Danach muss er entweder heiß gebügelt, heiß gewaschen oder fünf Minuten bei 80 Grad erhitzt werden, um die in dem Stoff angesammelten Viren abzutöten. Die Landesregierung weist jedoch auf ihrer Internetseite daraufhin, dass die Masken keinen hundertprozentigen Schutz böten, „deswegen ist Abstand halten und Hände Waschen das Gebot der Stunde“.

Dazu rät auch die Krankenkasse AOK. Sie verweist auf die korrekte Husten- und Niesetikette, die Händehygiene und das Abstandhalten. Selbst gemachte Masken seien eine gute Alternative, „andere Personen auch dann nicht anzustecken, wenn man noch gar nichts von einer eigenen Infektion weiß“. Allerdings hingen die Schutzeigenschaften stark von Material und Nutzung ab. Deutlich mehr Sicherheit lieferten  die sogenannten FFP-Masken mit Filter. Diese sollten, so die AOK, aufgrund der derzeitigen Knappheit aber medizinischem Personal vorbehalten sein. Diese Maßnahme sollte jedoch nicht davon abhalten, die empfohlene Hygieneetikette einzuhalten.