Es wird nicht immer schlimmer

Ladendiebstahl hat nur einen geringen Anteil an den Straftaten in der Region Trier. Geklaut werden vor allem Parfüm, Kleider, Handys und CDs.

Trier Eine gewisse Ironie hat es ja schon, wenn ausgerechnet eine Internetplattform namens billiger.de eine Rangliste über Ladendiebstähle erstellt. Was vielleicht im ersten Moment den Anschein erwecken könnte, dass die Plattform anpreist, wie man noch "billiger" an Waren kommt, hat aber einen ernsten Hintergrund. In vielen Städten - so auch in Trier - ist die Zahl der Ladendiebstähle im Jahr 2015 gestiegen. Jedenfalls nach einer Zusammenstellung von billiger.de. Die Seite ist allerdings eher für Preisvergleiche als für Studien und Kriminalstatistiken bekannt. Unter der Rubrik Marktdaten haben die Schnäppchenjäger eine ausführliche Auflistung der Ladendiebstähle in 100 deutschen Großstädten und Landkreisen zusammengetragen und kommen zu dem Schluss: "Es wird immer schlimmer." Bereits vor zwei Jahren hat ein Modeportal die Stadt Trier zu einer der Ladendiebstahlshochburgen in Deutschland gekürt.
Fakt ist laut billiger.de: "Es bedienen sich alle möglichen Leute gerne - weil kostenlos - in den Regalen und Auslagen: Ob Omas oder Opas, Grundschüler, Studenten oder Arbeiter, aber auch der Migranten- und Bandenkriminelle aus dem Ausland. Selbst 360-Grad-Überwachungskameras und Diebstahlsicherungen schrecken viele nicht ab."
Die in sozialen Netzwerken bei Meldungen zu Straftaten gern benutzte Formulierung "es wird immer schlimmer" kann Polizeisprecherin Sabine Bamberg im Falle von Ladendiebstählen für die Region so nicht bestätigen. "Der Gesamtanteil der im Polizeipräsidium Trier erfassten einfachen Ladendiebstähle in 2015 umfasst 4,77 Prozent der Gesamtstraftaten." Insgesamt 41 870 Taten hat die Polizei 2015 im Bereich des Polizeipräsidiums registriert.
Die Zahl der Ladendiebstähle sei im vergangenen Jahr 2016 "leicht rückläufig", sagt Bamberg, ohne konkret zu werden. Die offizielle Kriminalstatistik für das vorangegangene Jahr wird erst in ein paar Wochen vorgestellt.
"Daran erkennen Sie", so die Polizeisprecherin, "dass der Ladendiebstahl kein Schwerpunkt bei uns darstellt." Trotzdem ermittle die Polizei "natürlich" in jedem Fall. Bamberg: "Die Aufklärungsquote liegt bei 91,3 Prozent."
Doch die Studie des Preisvergleichsportals bezweifelt, dass die Aufklärungsquote tatsächlich so hoch ist. Über 90 Prozent der Ladendiebstähle würden gar nicht "polizeibekannt", heißt es. Sie bildeten die sogenannte Dunkelziffer, fielen erst bei Inventuren auf und würden dann vom Handel als Verlust verbucht.
"Handelsexperten schätzen, dass in Deutschland pro Jahr bis zu 26 Millionen Straftaten begangen werden. Während die Polizei für 2015 "nur" einen Schaden von 31,5 Millionen Euro ansetzt, schätze der Einzelhandel den Schaden auf jährlich bis zu vier Milliarden Euro", so die Studie.
Der Deutsche Einzelhandelsverband vermutet, dass allein durch von Kunden verübte Ladendiebstähle rund 2,24 Milliarden Euro Schaden entstehen. Den eigenen Mitarbeitern werden knapp 810 Schadensmillionen angelastet, Lieferanten sowie Servicekräften werden etwas mehr als 340 Millionen Euro an Warenverlusten im Jahr zugerechnet. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden registrierte vor gut zehn Jahren 500 000 Fälle pro Jahr, 2015 waren es noch nur rund 391 000 - allerdings wieder sieben Prozent mehr Fälle als 2014.
Geklaut werden laut Einzelhandelsverband überwiegend Parfüms und Kosmetika, Rasierklingen, Zigaretten, Schnaps, Wein und Sekt. Bei Bekleidung sind vor allem hochwertige Damenmarken und Sportkleidung bei Dieben beliebt. Ein hoher Schwund zeigt sich auch bei CDs, Smartphones, Speicherkarten und Druckerpatronen.
HIER GIBT ES DIE WENIGSTEN LADENDIEBSTäHLE:


Extra

(wie) Zu den Städten mit den verhältnismäßig wenigsten Ladendiebstählen gehören laut dem Internetportal billiger.de unter anderem: Speyer, Bayreuth, Leverkusen, Fürth, Kempten, Ingolstadt oder Mülheim an der Ruhr. Gemessen an der Einwohnerzahl ereigneten sich in diesen Städten die wenigsten Ladendiebstähle. So habe Speyer mit 241 Delikten je 100 000 Einwohner - statistisch betrachtet - die wenigsten Delikte im Vergleich. Die pfälzische Stadt liegt laut der Studie 68 Prozent unter Bundesschnitt. Dieser liegt demnach bei 749 Ladendiebstählen pro 100 000 Einwohner.