"Es wird zu wenig gebaut"

Berlin Im ersten Halbjahr 2017 sind in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 13 400 neue Wohnungen weniger genehmigt worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Rückgang von 7,3 Prozent.

Ist der Bauboom vorbei? Und was heißt das für Mieter? Darüber sprach unser Berliner Korrespondent Stefan Vetter mit dem Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes, Ulrich Ropertz.

Herr Ropertz, obwohl Wohnraum vielerorts Mangelware ist, bricht die Zahl der Baugenehmigungen ein. Klingeln da bei Ihnen nicht alle Alarmglocken?
ROPERTZ Ja, das ist eine schlechte Nachricht. Im Jahr 2016 war die Zahl der Baugenehmigungen noch um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Nun haben wir eine Trendwende. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der Rückgang vorrangig dem Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser geschuldet ist. Bei den Mehrfamilienhäusern und damit in erster Linie bei Mietwohnungen gab es aktuell nochmals eine Steigerung um 1,8 Prozent.

Das ist aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
ROPERTZ Von den erforderlichen Fertigstellungszahlen waren wir auch in den letzten Jahren weit entfernt. Nicht nur unsere Organisation, sondern praktisch die gesamte Immobilienwirtschaft und auch das Bundesbauministerium beziffern den jährlichen Bedarf auf etwa 400 000 Neubauwohnungen. 2016 waren es 277 000 Wohnungen und im Jahr davor nur 247 000. Die aktuellen Zahlen bei den Baugenehmigungen signalisieren uns nun, dass die Zahl der Fertigstellungen auch 2017 und 2018 weit hinter der Zielmarke zurückbleibt.

Das heißt, der Druck auf die Wohnungsmärkte und damit auch auf die Mieten nimmt weiter zu?
ROPERTZ Der Druck verstärkt sich primär in den Großstädten. Dort ist übrigens auch der Bau von Einfamilienhäusern zu vernachlässigen. Die Wohnungsmärkte in den Metropolen werden dadurch ohnehin nicht entlastet. Dreh- und Angelpunkt bleibt hier der Geschosswohnungsbau. Die sinkenden Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser haben übrigens auch damit zu tun, dass weniger in den ländlichen Gebieten gebaut wird, weil es die Menschen verstärkt in die Städte zieht.