EU will Internetkabel in Wasserrohren erlauben - Bundesregierung fürchtet Gesundheitsgefahren

Berlin · Die Bundesregierung aus Union und FDP ist genau so besorgt wie die oppositionelle Linke im Bundestag: Die EU-Kommission plant, neue Netze fürs schnelle Internet in Trinkwasser-Leitungen zuzulassen. Die Gegner sorgen sich um die Wasserqualität.

 Die Bundesregierung befürchtet Gesundheitsgefahren, wenn künftig Internetleitungen in Wasserrohren verlegt werden. Foto: Oliver Berg/Archiv

Die Bundesregierung befürchtet Gesundheitsgefahren, wenn künftig Internetleitungen in Wasserrohren verlegt werden. Foto: Oliver Berg/Archiv


Aus Angst vor Gesundheitsgefahren im Trinkwasser wehrt sich die Bundesregierung gegen Pläne der Europäischen Union, Telekommunikationsunternehmen das Verlegen von Internetkabeln durch Wasserleitungen zu ermöglichen. Man teile "die hygienisch begründeten Bedenken und Sorgen" von Experten, heißt es in einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, die dem Volksfreund vorliegt.

Um teure Erdarbeiten zu vermeiden, sollen nach dem Willen Brüssels Internetanbieter künftig ihre Breitbandkabel durch bereits vorhandene Trinkwasserrohre schieben dürfen. Der EU-Vorschlag "über Maßnahmen zur Reduzierung der Kosten des Ausbaus von Hochgeschwindigkeitsnetzen für die elektronische Kommunikation" liegt seit Ende März auf dem Tisch. Seitdem laufen Verbände der Wasserwirtschaft dagegen Sturm, weil sie Gesundheitsrisiken befürchten.

Aus den Kabelsträngen oder Mikrorohren für Datenleitungen könnten sich nicht nur "unerwünschte Substanzen" lösen, wird in der Linken-Anfrage auf eine Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft verwiesen, sondern die Mikrorohre würden auch die innere Oberfläche der Wasserleitungen vergrößern. In der Folge schaffe dies zusätzlichen Lebensraum für sogenannte Biofilme, in denen Bakterien gedeihen können.

Auch die Trinkwasserkommission des Umweltbundesamtes, die für die Wasserhygiene in Deutschland zuständig ist, lehnt das EU-Vorhaben ab. Wenn Mikroorganismen an den zahlreichen Ein- und Austrittstellen der Datenkabel oder bei Wartungsarbeiten eindringen würden, wäre dies mit Gesundheitsrisiken für die Menschen verbunden. "Daher hat sich die Trinkwasserkommission gegen das Verlegen von Breitbandkabeln in Trinkwasserleitungen ausgesprochen", heißt es in einer Stellungnahme.

Nach Ansicht der Bundesregierung ist eine Mitbenutzung von Trinkwasserrohren nur dann möglich, "wenn alle diesbezüglichen Bedenken ausgeräumt werden können". Man teile aber die Bedenken gegen die Verlegung. Dementsprechend werde man sich jetzt in den EU-Gremien einbringen. Eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes sei gleichwohl "entbehrlich".

Diese Haltung kritisiert wiederum die umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Eva Bulling-Schröter. Die Regierung wolle offenbar die Tür für das Vorhaben nicht ganz zu schlagen. Das Gesetz biete dafür eine Grundlage. "Außerdem erwarte ich klare Ansagen der Bundesregierung in Brüssel gegen eine Nutzung von Datenkabeln in Trinkwasserleitungen", so Bulling-Schröter.

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