Eurovision Song Contest: Conchita Wurst an der Spitze

Kopenhagen · Wir sind Wurst, hat sich Europa gedacht: Mit einer Ballade im Stil eines Bond-Titelsongs hat Österreich mit der bärtigen Dragqueen Conchita Wurst den 59. Eurovision Song Contest gewonnen. Damit siegte Österreich nach 1966 mit Udo Jürgens zum zweiten Mal bei dem traditionsreichen Liederwettbewerb, den es seit 1956 gibt.

 Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest

Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest

Foto: Keld Navntoft (SCANPIX DENMARK)

Deutschland landete in Kopenhagen mit dem Polka-Popsong „Is It Right“ von Elaiza auf Platz 18. Das sympathische Frauentrio hatte im März den deutschen Vorentscheid aus dem Nichts für sich entschieden. 26 Lieder konkurrierten beim Finale um den Sieg. Am Ende lag Österreich mit seinem Lied im Stil eines James-Bond-Titelsongs vor den Niederlanden und Schweden.

Österreichs Rundfunkanstalt ORF hatte Conchita Wurst alias Tom Neuwirth (25) ohne einen Vorentscheid als Beitrag nach Dänemark geschickt. Im Jahr 2012 war Wurst noch beim nationalen Vorentscheid zum Song Contest in Aserbaidschan Zweite hinter dem Hip-Hop-Spaßduo Trackshittaz („Woki mit deim Popo“) geworden.

Mancher deutsche TV-Zuschauer kennt Conchita Wurst als Teilnehmerin der gefloppten RTL-Doku-Soap „Wild Girls - Auf High Heels durch Afrika“, wo sie vergangenes Jahr neben Kader Loth oder Sarah Knappik agierte.

Vergangenes Jahr war Deutschland mit dem Disco-Lied „Glorious“ von Cascada abgeschlagen auf Rang 21 gelandet. Die Bundesrepublik hat den Wettbewerb bislang zweimal gewonnen, 1982 mit Nicole („Ein bisschen Frieden“) und 2010 mit Lena („Satellite“).

Die Show war im Vergleich zu Ausgaben in einigen Vorjahren eher klein gehalten, vor etwa 10 000 Zuschauern in einer alten Werfthalle, allerdings mit beeindruckender High-Tech-Bühne.

Geschätzt 120 bis 180 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel vor dem Bildschirm. Die drei Moderatoren Lise Rønne, Nikolaj Koppel und Pilou Asbæk(„Borgen - Gefährliche Seilschaften“) gaben sich betont lässig und cool, waren aber weniger witzig als Vorjahres-Moderatorin Petra Mede im schwedischen Malmö.

Bei der Punktevergabe wurde fast jede Wertung für Russland von Buhrufen in der Halle begleitet. Die Sympathien für das Riesenreich sind in Zeiten des Ukraine-Konflikts offensichtlich begrenzt.

Die pompöse Sieger-Ballade hat den Erweckungstitel „Rise Like A Phoenix“, was auf Deutsch „Wie Phönix aus der Asche auferstehen“ bedeutet. Bei Wursts Auftritt gab es eine Gänsehaut-Show mit Lichtstrahlen und Flammenmeer-Optik.

Insgesamt 37 Länder nahmen am ESC 2014 in der dänischen Hauptstadt teil. Elf Teilnehmer schieden in den Halbfinals am Dienstag und Donnerstag aus, darunter Israel, Irland, Belgien, Portugal sowie Lettland mit der Band Aarzemnieki um den gebürtigen Bochumer und Wahl-Letten Jöran Steinhauer.

Schlagerstar Helene Fischer verkündete Deutschlands Punkte von Hamburg aus. Deutschlands Höchstwertung Twelve Points ging in die Niederlande, an das Duo The Common Linnets („Calm After The Storm“). Sieger Österreich erhielt aus Deutschland sieben Punkte.

Beim ESC 2013 hatte die damals 20-jährige und barfuß auftretende Dänin Emmelie de Forest mit dem verträumten „Teardrops“ den Sieg geholt, davor in Baku die Schwedin Loreen mit „Euphoria“.

Im vergangenen Jahr schalteten in Deutschland durchschnittlich etwa 8,2 Millionen Menschen ein, 2012 etwa 8,3 Millionen. In den Jahren 2011 und 2010 hatte die Live-Übertragung des Musikspektakels wegen des Lena-Hypes jeweils um die 14 Millionen Fernsehzuschauer.

Der 60. Eurovision Song Contest soll nach vorläufigen Angaben der European Broadcasting Union (EBU) am 16. Mai 2015 stattfinden, die Halbfinals am 12. und 14. Mai.

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